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bloggold: niemensstraße.

seit ein paar tagen sind seine von natur aus unbändigen, wilden haare mal wieder abrasiert, auf seiner stirn mal wieder eine große platzwunde, wie man sie hat, wenn man seinen kopf irgendwo gegen geschlagen hat, und nur dann. und wie immer, wenn ich ihn sehe, frage ich mich, warum er da steht, was er wohl denkt, und wie das nur passieren konnte, dass er da so steht.

10:00 pm, BY wgirl

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Gesehen: Downton Abbey

Downton Abbey liegt irgendwo zwischen Jane Austen-Roman und Mad Men. Erste Staffel der Serie beginnt mit dem Untergang der Titanic und endet mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf dem Anwesen Downton Abbey sorgen sich Earl und Countess of Grantham um die Erbfolge: Titel, Grundbesitz und Vermögen gehen an den nächsten männlichen Verwandten. Sie aber haben nur drei Töchter. So bleibt nur Cousin Matthew, ein bürgerlicher Anwalt, mit wenig Lust auf ein entschleunigtes Leben als Gentleman. Trotzdem lassen er und seine Mutter sich in die Gesellschaft auf und um Downton einführen.

Die adelige Familie steht nicht alleine im Mittelpunkt. Den Sorgen und Intrigen ihrer Bediensteten wird ebenso viel Raum gegeben. In einer Zeit mit Arbeiterbewegung und Suffragetten werden herkömmliche Verhaltensweisen und Hierarchien nicht mehr ganz unhinterfragt übernommen. Das gilt für die Angestellten genauso wie für die Töchter im heiratsfähigen Alter. Gleichzeitig geht es nicht um öde Sozialkritik. Statt Klassenkampf wird eine gegenseitige Abhängigkeit gezeigt. Zumindest als Ideologie war so etwas in Großbritannien lange Zeit und schichtübergreifend verbreitet.

Laut Wikipedia ist Downton Abbey die englischsprachige Fernsehserie mit der positivsten Resonanz. Wikipedia hat selbstverständlich immer recht, so auch hier. Derzeit leide ich sehr darunter, dass es nirgendwo die zweite Staffel mit Untertiteln gibt. Allein zum Hören sind mir die Originaldialoge zu komplex. Downton Abbey mochte ich so, wie ich Austen-Romane mag: eine Welt, in der Kommunikation die Handlungen ersetzt. In der deshalb viel kommuniziert und sehr genau auf Zwischentöne gehört wird. Anspruch entsteht dardurch, dass ich als Zuschauer einzelne Zeichen finden und entschlüsseln kann. Ansonsten gibt es da noch Setting und Detailverliebtheit. Muss man aber bei einem Kostümfilm kaum extra erwähnen.

10:58 pm, BY wgirl

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Gelesen XVII

Peter Fiedler: Sexualität

Eine kleine Einführung aus der relativ neuen, pinken Sachbuchreihe des Reclamverlags: Sexualität historisch, soziologisch und psychologisch gesehen. Übersichtlich und faktenreich wie ein guter Wikipediaartikel. Leider mit dem Makel, den fast alle eher wissenschaftlichen Texte zum Thema haben: der Großteil handelt von Devianzen, Repressionen und Sexualstraftaten. Alltägliche Facetten wir Partnerwahl, mediale Darstellung oder Beziehungskonzepte werden knapp abgehandelt. Trotzdem lesenswert, für Menschen, die noch nicht zu viel Foucault und Sigusch hatten.

09:46 pm, BY wgirl

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Gesehen: American Horror Story

Hat sich bestimmt ein Freudianer ausgedacht: Familie Harmon ist nicht frei von Spannungen. Die Ehe der Eltern, Vivien und Ben, steht kurz vor dem Aus, nachdem sie eine Fehlgeburt und er einen Seitensprung hatte. Tochter Violet reagiert auf den Konflikt der Eltern mit pubertätstypischer Reserviertheit. Der beste Moment um in ein Haus zu ziehen, in dessen Keller unergründliche, dunkle Mächte (und ein spitzzähniges Monster) am Werk sind und unter dessen Dach ein herrenloser Gummifetischanzug hängt. Soweit so subtil.

Das Haus alleine ist nicht unheimlich genug, hat es doch auch schöne Tiffanyscheiben. Zusätzlich tauchen immer wieder seltsame Menschen auf: ein Mann mit verbranntem Gesicht, der Geld fordert. Ein Hausmädchen, dass Ben in junger Form und Vivien als ältere Dame erscheint. Nachbarin Constance, als Schönheit gealtert und als Schauspielerin gescheitert, die auch Mal das Silberbesteck mitnimmt. Tate, ein Heranwachsender mit Gewaltphantasien, der Hilfe bei Ben als Psychiater sucht. Im Laufe der Folgen zeigt sich, wie die Vergangenheit der Vier mit der des Hauses verflochten ist. 

Bin immer noch ein wenig unentschlossen, wie ich American Horror Story fand. Mit den Figuren wurde ich nicht recht warm: ritzende Teenager, Schwule mit Dekofimmel und fremdgehende Ehemänner sind trivial. Alle sehen gut aus und wenn nicht, dann sind sie behindert oder durch Selbstverbrennung entstellt. Das zentrale Problem, welches verhindert, dass Familie Harmon einfach ihre Sachen packt und das Haus verlässt, ist die mögliche Scheidung der Eltern: wer geht wohin, wer bleibt. Auch nicht so spannend und in seiner Naivität eigentlich auch sehr Klischee, was Horror-Filme angeht. Einfach eine andere Form von “Da draußen im Dunkeln läuft ein Axtmörder rum, mein Handy hat auch keinen Empfang, besser, ich schau Mal nach.”.

Dagegen mochte ich die unterschiedlichen Geschichten, darüber, was die Einzelnen mit dem Haus verbindet. Immer wieder gibt es Rückblenden, die zeigen, wer das Haus in der Vergangenheit bewohnte. Die Serie lässt sich Zeit damit, die unterschiedlichen Episoden miteinander zu verknüpfen. Wie ein Puzzle, dessen Motiv erst kurz vor Schluss sichtbar wird. Nur besteht die Lösung nicht alleine darin, dass Gesamtbild zu erkennen.

05:21 am, BY wgirl[4 Anmerkungen]

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Tag 12/01/12

Opi-next-door und Kunde bei uns bringt dem Kollegen drei Sorten Hustenbonbons mit. Damit sich der Kollege das Rauchen abgewöhnen kann, in dem er immer im Wechsel eine Sorte lutscht. Gerne würde der Kunde auch noch den Tabak konfiszieren, aber das möchte der Kollege dann doch nicht. Zum Abschied der Rat, regelmäßig einen Keks zu essen, denn “Die Schnute möcht’ was zu Beissen haben”. Die Homöopathie der Weltkriegsgeneration.

01:29 pm, BY wgirl

quote
Wenn wir in einem Anfall von Zärtlichkeit oder Bosheit einem Menschen liebevoll zusprechen oder ihn beleidigen wollen, so stehen uns dafür wenige verbrauchte, abgenagte Wörter zur Verfügung, und wir ballen die Wörter dann zusammen und zerbrechen sie, damit sie das Ohr verletzen, damit man sie sieht, statt sie wiederzuerkennen.
Viktor Sklovskij

11:27 am, BY wgirl

quote
Ab 40 sollte keiner mehr alleine wohnen, denn dann wird man wunderlich. Ab 40 sollte man mit einem Mann, einer Frau, einem Kind, einer Oma, mit irgendwem wohnen, der einem klar gemacht hat, das man selber nichts Spezielles ist.

03:08 pm, BY wgirl[1 Anmerkung]

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Animal Studies Move From the Lab to the Lecture Hall - NYTimes.com

New York Times über Animal Studies als Trend an amerikanischen Hochschulen: Das Mensch-Tier-Verhältnis als Gegenstand interdisziplinärer Lehre und Forschung. Wobei “interdisziplinär” am Ende vermutlich doch nur wieder vor allem für “geistes- und sozialwissenschaftlich” steht. Für Philosophie trotzdem interessant, da Tiere zwar bei Kant über Schopenhauer bis Adorno vorkommen, als Thema in Hochschulveranstaltungen aber eher ausgeblendet oder trivial dargestellt werden.

03:37 am, BY wgirl

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Gelesen 2011

Wolf Schneider: Deutsch für junge ProfisNick McDonell: TwelveMarkus Wild: Tierphilosophie: Eine EinführungOriana Fallaci: Das unnütze GeschlechtPitigrilli: KokainPeter Alter: Die WindsorsWolfgang Herrndorf: Diesseits des Van-Allen-GürtelsH.P. Lovecraft: Der Schatten aus der ZeitRyu Murakami: Blaue Linien auf transparenter HautHerbert Marcuse: Versuch über die BefreiungDavid DeGrazia: Animal Rights: A Very Short IntroductionAnnie Sprinkle: Hardcore von HerzenJane Austen: EmmaPaul Auster: Die Erfindung der EinsamkeitCharlotte Brontë: Jane EyreJane Austen: Stolz und VorurteilSibylle Berg: Sex2Joseph Heath/Andrew Potter: Konsumrebellen: Der Mythos der GegenkulturAlmudena Grandes: LuftschlösserEmily Brontë: Die SturmhöheGeorge Orwell: Farm der TiereAngela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinntMichel Houellebecq: Karte und GebietArno Schmidt: Seelandschaft mit PocahontasJohn Cleland: Fanny HillDave Monroe: Porn – Philosophy for Everyone: How to Think With KinkClément Rosset: Regime der LeidenschaftenEric Berne: Spiele der ErwachsenenSebastian Haffner: Anmerkungen zu HitlerJane Austen: Verstand und GefühlKyra Stromberg: Zelda und F. Scott FitzgeraldChristoph Twickel: Gentrifidingsbums oder eine Stadt für AlleEllen Fein/Sherrie Schneider: The RulesPaul Auster: New York-TrilogyChester Brown: Paying for ItCarlos Ruiz Zafón: The Shadow of the WindJane Austen: Northanger AbbeyIan Shaw: Das alte Ägypten. H.P. Lovecraft: Der Fall Charles Dexter WardWolfgang Herrndorf: TschickJulia Friedrichs: Gestatten: EliteMichel Houellebecq: LanzarotePatti Smith: Just Kids

    04:51 pm, BY wgirl[1 Anmerkung]

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    Gelesen XVI

    Patti Smith: Just Kids

    Eines dieser Bücher, in das ich einziehen würde, weil home is, where the heart is. Dabei fand ich bisher Patti Smith musikalisch nicht gerade interessant und von Robert Mapplethorpe hatte ich nur Mal irgendwann den Namen gehört. Ist aber egal, wenn es darum geht, ob man das Buch mögen kann.

    Just Kids beginnt gegen 1967. Patti Smith trifft in New York ein, ist dort in der ersten Zeit arbeits- und obdachlos. Sie lernt Mapplethorpe kennen. Erst ist es eine Liebesbeziehung, später bleibt die Abmachung, sich so lange umeinander zu kümmern, bis beide auf eigenen Beinen stehen können. Bis es soweit ist und beide mit ihrer Kunst Erfolg haben, gibt es Hoch und Tiefs: Mapplethorpe hadert mit seiner sexuellen Orientierung, Smith fehlt es an Disziplin, dazu Mieten und Materialkosten, die auch noch bezahlt werden wollen.

    Dritter Protagonist, neben Smith und Mapplethorpe, ist natürlich noch das New York der späten 60er und 70er Jahre. Bisschen Namedropping um Chelsea Hotel, Warhols Factory, Jim Carroll und Janis Joplin. Smith und Mapplethorpe sind für einander weit mehr, als eine der vielen Begegnungen. Bevor Mapplethorpe 1989 an Aids starb, versprach Smith ihm, eine gemeinsame Biografie zu schreiben. Resultat ist ein schönes und zärtliches Buch über eine Freundschaft und ihre Zeit.

    02:08 am, BY wgirl