Look back at LIFE photographer Michael Rougier’s intimate, unsettling portrait of rebellious Japanese teenagers in 1964 here.
Not published in LIFE: Yoko, 17 years old, Tokyo, 1964.
Überhaupt würde ich von Zeit zu Zeit das Tumblr mit alten Fotos des LIFE-Magazines empfehlen.
(via life)
jenny holzer, “marquees”.
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Wieso über Precht nörgeln, wenn es noch so viele andere Sorten (angehender) Philosophen gibt, die man hassen kann?
Der FAZ-Abonnent: Ist bisschen der BWLer unter den Geisteswissenschaftlern. Zumindest optisch, wenn er tageszeitunabhängig mit Jackett und Lederaktentasche im Seminarraum aufläuft. Seine Eltern sind gut situiert oder osteuropäische Immigranten. Entweder ist er überdurchschnittlich belesen und gebildet, oder ziemlich gut mit Namedropping. Ansonsten ganz umgänglich, wenn auch harmlos. Spricht man mit ihm über studienrelevante Themen, entsteht der Eindruck, dass er sein Wissen eher verwaltet als schätzt. Mag bisschen Nietzsche und Adorno, weil sich darüber gut reden lässt. Wird vielleicht Mal Unternehmensberater oder Frank Schirrmacher
Der Hegel-Nerd: Tritt gelegentlich als typischer Rollkragenphilosoph auf. Mit Hornbrille und Rudi Dutschke-Haarschnitt. Ist leicht zu erkennen, weil er der Einzige ist, der sich noch meldet, wenn der Dozent fragt, wie Hegel das mit dem aufgehobenem Fürsichsein jetzt meint. Professoren kennen ihn mit Vor- und Nachnamen. Manchmal ein Auslöser für Neid. Alles Schlechte wünschen kann man ihm aber auch nicht: wie die meisten Nerds gleicht er Spezialwissen mit Defiziten an sozialer Kompetenz und der Bewältigung alltäglicher Notwendigkeiten aus. Er wird als sonderbarer Kauz enden. Oder im akademischen Mittelbau.
Der Kritische: Verteilt vorm Seminar Flyer für Gegenstandpunkt, Asta und seinen Kumpel Uli, der am Wochenende in irgendeinem Keller Faschismus, Rassismus und Sexismus mit selbstproduziertem Electro bekämpft. Während der Hegel-Nerd lediglich wie Dutschke aussieht, beherrscht der Kritische dessen Rhetorik. Und die von Marx. Und Marcuse. Wobei “beherrschen” jetzt auch nicht inflationär verwendet werden sollte. Für Bullshitbingo (“Kulturindustrie”, “Sublimierung”, “Arbeiterklasse”) ganz prima, inhaltlich erübrigt es sich aber schnell, wenn man irgendwann Mal selbst in “Versuch über die Befreiung” reingeblättert hat.
Der Hippie: Hatte schon in der Schule Philosophie LK. Neben PoWi und irgendwas mit Sprache. Allerdings ist das etwa 15 Jahre her. Für ihn persönlich ist das Philosophiestudium unheimlich bereichernd, genauso wie Gartenarbeit und Kiffen. So ähnlich ist auch der Austausch mit ihm. Manchmal Überschneidungen mit dem Kritischen, Stichwort Marcuse. Ansonsten ein Freudianer durch und durch, dazu offen für alles Fernöstliche. Schon schade, dass so wenig Lehrveranstaltungen zum Jainismus angeboten werden. Sein Vorteil ist der Wiedererkennungswert. Sonst trägt im Winter ja niemand Sandalen.
Die Aufgeschlosse: ausnahmsweise in weiblicher Form, weil eben meist weiblich. Studiert Philosophie im Wechsel mit Kunstgeschichte, Religionswissenschaften und Kulturanthropologie. Keine Ahnung, wie sie da rein geraten ist. Ist in Seminaren auffällig unauffällig und verschwindet nach wenigen Semestern. Entweder, weil sie doch lieber eine Ausbildung zur Verlagskauffrau anfängt, oder weil sie nach einer Einführung in Gender Studies ins Lager der Kritischen wechselt. Vielleicht erstickt sie aber auch an einer ihrer Strickjacken. Fakt ist jedenfalls, dass sie in Hauptseminaren kaum noch auftaucht.
Eine meiner liebsten Hypothesen zum Thema Vegetarismus ist “Würde jeder selber schlachten müssen, würden die Leute viel weniger Fleisch essen.”. Bin mir nicht ganz sicher, ob diese Aussage für oder gegen Vegetarismus spricht. Verwendet wird sie vermutlich sowieso von beiden Seiten. Obwohl sie einigermaßen falsch ist: Würde jeder selber schlachten müssen, wären alle einfach weniger mitfühlend. Vegetarismus in weiter Verbreitung ist in Mitteleuropa ein relativ junges Phänomen. Die Abwesenheit bewaffneter Konflikte übrigens auch.
Ähnlich zweifelhaft finde ich es, wenn Menschen beim Schlachten zusehen oder helfen, um sich zu bestätigen, dass sie Fleischkonsum mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Wer als Außenstehender beim Schlachten zusieht, tut es selten in einem der industriellen Großbetriebe, aus denen das meiste Fleisch kommt (Menschen, die grundsätzlich nur “ab Hof” kaufen: nie ein Döner, nachts aus dem Heimweg? Kein Kantinenessen? Nie in Restaurants, die nicht ganz klar ihre Lieferanten angeben?). Und vermutlich auch kaum beim Töten. Alles was danach kommt, wie ausbluten lassen und zerlegen, ist aber im Endeffekt auch nicht anders als das, was an der Wursttheke so passiert.
Als Kind und Heranwachsende habe ich ziemlich oft beim Schlachten geholfen. Die Nachbarsfamilie und meine Familie hielten sich zusammen zwei bis drei Schafe. Sie wurden als Lämmer gekauft, ersetzten über das Jahr den Rasenmäher und wurden am Ende zu Kotelett und Keule. Für mich war der Ablauf unproblematisch. Ich hatte kein Mitleid mit den Tieren, ekelte mich weder vor Blut, noch vor Innereien und hatte auch nichts dagegen, am Abend Fleisch von dem Tier zu essen, das am Morgen noch auf der Wiese gestanden hatte.
Die Trennung zwischen Tier und Nahrung findet schon lange vor dem Schlachten statt. Es ist nicht gerade so, dass wahllos alle Tierarten gegessen werden. Zu Tieren, die gegessen werden, baut man keine Bindung auf. Selbst wer auf dem Land aufwächst und ein breites Angebot an Haus- und Nutztieren vor der Tür hat, behandelt Katzen und Hunde anders als Rinder und Schweine (Einzige Ausnahme bilden oft Kaninchen). Unabhängig ihrer eigentlichen kognitiven Fähigkeiten erscheinen uns auch fremde Hunde und Katzen als individuell und fühlend. Von Schweinen und Kühen wissen wir dagegen meist wenig. Mit ihnen verbringen wir keine Zeit, sie leben in Ställen und bleiben abstrakt. Wenn sie nicht als empfindend gedacht werden, fällt es weniger schwer, sie zu töten und zu essen. Was nicht heißen soll, dass es richtig ist.
James Abbot McNeill Whistler: Nocturne in Gray and Gold
Doch der Mensch kämpft nun einmal für seine Bequemlichkeit wo er kann - der kalten, anstrengenden, bisweilen grausamen Natur setzt er die Kultur der Zentralheizung, der geglätteten Straßen, der Telefone und Rettungswagen entgegen. Es ist sonderbar, wenn er sich ausgerechnet in dem Moment auf die “Natur” zurückbesinnt, wo es wiederum der eigenen Bequemlichkeit dient - nämlich der Verteidigung des gewohnten Genusses des Fleischessens. — Hilal Sezgin im nicht durchgehen pro-vegetarischem bpb-Heft Mensch und Tier. Das man übrigens auch komplett kostenlos als PDF runterladen oder bestellen kann.
David Foster Wallace: Am Beispiel des Hummers
Eating Animals für Leute, die nicht gerne viel lesen oder was gegen Jonathan Safran Foer haben. Soll ja vorkommen. Für die Zeitschrift Gourmet besuchte DFW das Maine Lobster Festival, auf dem jährlich 9000 kg Hummer verspeist werden. Ursprünglich als Zeitschriftenreportage gedacht, ist das Buch nicht sonderlich umfangreich: der Lesespass dauert etwa eine Stunde und findet sich in etwas anderer, ursprünglicher Form auch ganz legal online.
In der ersten Hälfte berichtet DFW über die Tradition des Hummerfangs in Neuengland und den Ablauf des Festivals: Umzüge, Festzelte, Kochwettbewerbe. Alles ziemlich beschaulich und provinziell. Ab der Mitte wechselt der Schwerpunkt. Anlässlich des weltgrößten Hummertopfes stellt DFW Überlegungen über die Zubereitungsart an. Hummer werden lebend gekocht, mit der Rechtfertigung, sie würden es eh nicht spüren, ihr Nervensystem ist zu primitiv. Trotzdem gibt es genug Hummer-Köche, die während der Kochzeit die Küche verlassen.
DFW erzählt von seinen Recherchen über das Schmerzempfinden von Hummern und anderen Tieren, über den Umgang mit Tieren generell, dazu bisschen utilitaristische Ethik. Er selbst gehört zu den Menschen, die alles ziemlich schlimm finden, es sich aber nicht abgewöhnen können, Fleisch zu essen. Ist also, wie Jonathan Safran Foer auch, eher gemäßigt. “Am Beispiel des Hummers” ist ein knapper, nüchterner Denkanstoß für Leute, die sich bisher nicht wirklich mit dem Thema Fleisch befasst haben. Falls es die derzeit noch gibt. Ansonsten ist vor allem interessant, wie es der Tierschutzaufsatz ins Feinschmeckerheft geschafft hat.
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