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Tag 10/01/13

Ein Traum: ich bin frisch geduscht, meine Haare sind noch nass, um den Kopf trage ich ein Handtuch. Ich betrachte mein Gesicht, nicht im Spiegel, sondern durch das Objektiv einer Kamera. Auf der Haut bilden sich Unebenheiten, aus den Unebenheiten werden Beulen. Die Beulen fangen an zu verlaufen, nach unten zu tropfen, bis ich aussehe, als hätte Francis Bacon mich gemalt.

In einem anderen Traum gibt mir eine Professorin meine Magisterarbeit zurück. Aus irgendeinem Grund handelt es sich dabei nicht um einen Text über eine philosophische Fragestellung, sondern um Aufgaben aus dem Geometrie-Unterricht. Die Pyramiden und Dreiecke habe ich scheinbar freihändig, mit einem Kugelschreiber, gezeichnet. Die Linien sind mehrfach, was sie noch unordentlicher aussehen lässt. Ich habe nicht bestanden.

08:32 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Tag 29/12/12

Zurück aus der alten Heimat. Wieder aus zweiter und dritter Hand gehört, was die Gleichaltrigen machen. Die Eine hat ein Kind, der Zweite übernimmt die Firma seines Vaters, der Dritte kam gerade nach einem Jahr aus Afrika zurück und fliegt demnächst weiter, zum Praktikum nach Brasilien. Und ich, ich habe Angst, etwas verpasst, zu vieles unversucht, zu wenig ausgeschöpft zu haben. Dabei möchte ich weder dringend Mutter, noch Geschäftsfrau sein und Afrika hat mich auch nie sonderlich gereizt. Es ist auch nicht so, dass meine Mutter mich drängt: sie hat Verständnis und außerdem meinen Bruder, dessen berufliche Laufbahn auch für Außenstehende nachvollziehbar ist. Es ist vor allem die Unsicherheit, in einem Alter zu sein, in dem alle scheinbar wissen was sie wollen, egal ob mit langfristigen Absichten oder aus temporärem Interesse. Oder sie zeigen zumindest Bereitschaft, sich auszuprobieren, zu experimentieren und zu riskieren, um herauszufinden, wohin es gehen könnte. Nur mir scheinen solche Ambitionen zu fehlen. Ich weiß, dass ich auch paar Sachen geschafft habe, irgendwiejadoch ein eigenes Buch und mein Name im Impressum einer Zeitschrift. Und ganz für mich bin ich auch nicht unglücklich, wenn da nur nicht immer der Vergleich mit den Anderen wäre, der zeigt, was man auch alles könnte, würde man wirklich wollen.

01:50 am, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Unkritische Theorie

Wie immer in ganz eigener Sache: seit dem Nikolaustag ist eine Sammlung meiner Tweets als Ebook erhältlich: bei Amazon, über den iTunes-Store und alternativ bei Beam und txtr. Zum Thema “Tweets als Buch” kann man viel sagen, muss man aber nicht. Für mich war es eine interessante Erfahrung und mehr Arbeit als erwartet. Vielleicht gibt es irgendwann Mal ein richtiges Buch von mir, wie alle angehenden Geisteswissenschaftlerinnen bin ich in diese Richtung ziemlich aufgeschlossen (aber auch typisch unmotiviert und Mal im Ernst: literarisches Schreiben ging hier noch nie).

08:06 pm, BY wgirl[1 Anmerkung]

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Tag 08/12/12

“Du bist ein nettes Mädchen. Vielleicht ein bisschen verrückt. Manchmal auf eine Art, die einen Angst macht. Aber ich mag dich trotzdem, daher…” leitet der Kollege seinen Satz ein, meint es ernst und ich bin ein bisschen verletzt. Als Tocher eines psychisch kranken Vaters ist “verrückt” kein Adjektiv, bei dem ich mir High-five gebe. Zu Mal mein Lebenswandel auch nicht die Möglichkeit einräumt, dass “verrückt” nur ein Synonym für “abenteuerlustig” oder “risikofreudig” ist: ich bin weder das Eine, noch das Andere. Was ich vielleicht bin, ist unsicher, ängstlich und unzulänglich im zwischenmenschlichen Bereich. An schlechten Tagen überlege ich durchaus, ob es eine Erbe ist. Nicht genetisch, aber durch die Erfahrungen. Irgendwann fängt man als Mensch an zu lernen, wie soziales Interagieren funktioniert. Und wenn eine der engsten Bezugspersonen da auch in erster Linie schwierig ist… zu Mal bereits die Mutter meines Vaters psychische Probleme hatte, die über eine Winterdepression hinaus reichten. Ich möchte nicht verrückt sein. Ich stalke niemanden, ich sammle keine Katzen und versuche, Andere nicht zu manipulieren. Mit 27 möchte ich reif, zuverlässig oder kompetent wirken, aber nicht geisteskrank.

04:29 pm, BY wgirl[6 Anmerkungen]

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(Quelle: sellyourhardtimes)

11:06 pm, BY wgirl[39 Anmerkungen]

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Tag 30/11/2012

In der Orientierungsstufe habe ich in Freundschaftsalben gerne reingeschrieben, dass Herbst meine Lieblingsjahreszeit ist: es ist weder warm, noch kalt. Die Bäume sind bunt, die Luft ist klar, Nebelwände verzaubern Landstraßen, bei uns in Küstennähe gibt es die ersten starken Stürme, so laut, dass man nachts wach liegt und dankbar für das warme Federbett und den Hund am Fußende ist. Bestimmt wurde “Der Schimmelreiter” in solchen Nächten geschrieben. Außerdem habe ich im Herbst Geburtstag, was auch noch Mal ein enormer Pluspunkt ist, wenn man kein eigenes Geld hat und auf Geschenke angewiesen ist.

Jetzt bin ich froh, wenn ich den November überstanden habe. Während der Dezember meist mit Weihnachtsverpflichtungen und Lebkuchen vollgestopft ist und es im Januar langsam wieder heller wird, geht es im November erst ein Mal abwärts. November fühlt sich für mich an, wie Atréjus Ritt in die Sümpfe der Traurigkeit. Die Freunde rufen nicht an, das Studium ist ohne Nutzen, das Geld knapp, die Jobsituation aussichtslos und der Typ macht auch Probleme. Im Juli wäre das alles ein Achselzucken, wird ja wieder, wie es immer irgendwie geworden ist. Im November dagegen ist einfach Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit, Schwere. Jedes Jahr aufs Neue.

06:12 pm, BY wgirl[4 Anmerkungen]

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Gesehen: Girls

Manchmal sitze ich mit Freundin N. zusammen und wir denken an all die Geschichten zurück, die wir bereits miteinander erlebt haben. Und dann hoffe ich, dass sich niemand sonst mehr daran erinnern wird, wenn ich als Philosophin zu Anerkennung und Erfolg gekommen bin. Weil das Meiste, an das wir gerne zurück denken, eher zu Charlie Sheen passen würde. Manchmal habe ich mich in solchen Situationen gefragt, warum da eigentlich noch niemand so wirklich drauf gekommen ist: eine Buddy-Komödie mit Mädchen. Okay, es gibt Sex and the City und Bridesmaids, aber darin geht es immer eher um Frauen, die schon einen etwas gefestigteren Background haben und daher in manche Situationen gar nicht erst geraten. Mit irgendwaszwanzig dagegen ist man auf vielen Gebieten noch unheimlich blöd. Oft macht das Spass. Zumindest im Nachhinein.

Lena Dunham ging es vielleicht ähnlich. Allerdings war sie motivierter als ich und machte aus der Frage, wie es so ist, wenn das Studium durch ist, aber klare Vorstellungen zum Thema Zukunft fehlen, die Serie Girls. Ich mag Girls. Zumindest die 5 Folgen, die ich bisher gesehen habe. Girls handelt von vier New Yorker Freundinnen und Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda kommen nur als Poster an der Wand vor. Eine ist Studentin, die Anderen schlagen sich mit Praktikas, Babysitting-Jobs oder der ersten Festanstellung rum. Die Wohnung ist eine WG, die Eltern wollen nicht mehr zahlen und die Männer benehmen sich auch komisch, entweder ermüdend korrekt oder genau im Gegenteil, unreif und unnahbar. Das ist eigentlich schon der ganze Plot.

Natürlich ist das ganze nicht so trocken wie von mir runtergeschrieben. Girls funktioniert oft auf zwei Ebenen: Fremdscham und Wiedererkennen. Also nicht das ich alles selbst genauso gemacht habe, aber Vieles erscheint nicht unbekannt: sich dramatisch den Kopf über jemanden zerbrechen, der sich bestenfalls halb für einen interessiert. Ausgefallener Sex, der eher schräg als erotisch ist. Soziale Inkompetenz, privat und auf beruflicher Ebene, etwa wenn die Hauptfigur Hannah während eines Vorstellungsgespräches Vergewaltigungswitze macht. Soweit bin ich zwar bisher nie gegangen, trotzdem konnte ich mir manche Folgen nur in 5-Minuten-Häppchen ansehen, so verstörend war es.

12:48 am, BY wgirl[1 Anmerkung]

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Buchhändler als Beruf

Ziemlich regelmäßig tauchen Artikel auf, die den Wandel der Literaturbranche bedauern: die Leute lesen immer öfter Ebooks, kaufen Bücher nur noch über das Internet und in den verbliebenen Buchläden werden nur noch Richard David Precht und Duftkerzen angeboten. Aktuell findet sich eine entsprechende Reportage bei der Frankfurter Rundschau. Ein Buchhändler, der lange Zeit bei Hugendubel angestellt war, erzählt, wie sich die Arbeitssituation in den Filialen der Kette verändert hat. Wie selbst dort Buchhändler einst ihren eigenen Teil des Sortiments mit etwas Freiraum betreuen durften und heute nur noch Regale einräumen und kassieren. Dabei war der Buchhändler doch eigentlich immer mehr als nur ein Verkäufer. Er hat Kultur und Schriftgut vermittelt, versucht, spezielle Kundenwünsche zu erfüllen, Bücher vorgestellt, die der potentielle Leser sonst übersehen hätte (Das es sich bei Buchhändlern genauso gut und oft um kauzige Misanthropen und gelangweilte Verwalter handeln kann, lassen wir außen vor.).

Ich möchte nicht, dass diese Auslegung des Buchhändlerberufes verloren geht. Genauso wenig wie ich auf die kleinen Universitäts- und Autorenbuchhandlungen verzichten möchte. Aber machen wir uns nichts vor: ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Buchhändler um Rat gefragt zu haben. Außer, wenn es darum ging, ein bestimmtes Buch im Regal zu finden oder ein fehlendes Exemplar nachzubestellen. In wiefern durch Buchhändler organisierte Auswahl und Anordnung der Bücher meine Kaufentscheidungen beeinflussten, kann ich nur mutmaßen. Ich habe nie im Laden gestanden und gedacht “Jetzt ein zeitgenössischer Roman. Nur welcher?”, sondern eher “Bei mir zu Hause liegen 245 Bücher, die ich auch noch lesen will.”. Neue Bücher entdecke ich vor allem auf drei Arten: ganz klassisch, als Empfehlung von Menschen aus meinem Umfeld. Meine Mutter gab mir Strittmatter-Romane, als ich 13 war und über meinen Ex-Mitbewohner lernte ich Kerouac kennen. Als Verweis in einem anderen Buch: nach dem ich Die Kameliendame gelesen habe, nahm ich mir auch Manon Lescaut vor. Über Das andere Geschlecht fand ich Colette. Dann sind da natürlich noch soziale Netzwerke wie Goodreads und Amazon mit seiner großzügig ausgelegten Suchfunktion. Wenn ich in einen Buchladen gehe, weiß ich üblicherweise bereits, was ich möchte. Falls nicht, stöbere ich eher im Internet, weil es dort spontaner geht.

Es ist widersprüchlich, wenn ich Buchhändler möchte und gleichzeitig kaum was dafür tue, dass es sie geben kann. Genauso inkonsequent ist es, den Erhalt von Autorenbuchhandlungen zu fordern und überwiegend bei Amazon zu bestellen. Und wer tut das nicht? Vielleicht sollte man Nostalgie und den bildungsbürgerlichen Distinktionswunsch ignorieren und sich damit abfinden, dass man zwar vermutlich auch langfristig Texte käuflich erwerben können wird, dass sich aber das “Wie” ändert. Dass es vielleicht irgendwann keine Buchhändler mit Empfehlungszetteln mehr gibt, aber immer noch genug andere Wege, auf neue (und gute) Literatur aufmerksam zu werden. Der FR-Artikel bietet allerdings eine andere Lösung an: weg von Hugendubel und Thalia, hin zu Konzeptläden.

05:30 am, BY wgirl[1 Anmerkung]

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Tag 08/11/12

V for Vendetta gesehen. An einer Stelle foltert die Hauptfigur V (Hugo Weaving) seine Teilzeitkomplizin Evey (Natalie Portman): er sperrt sie ein, lässt sie in dem Glauben, sie wäre dem totalitären Regime in die Hände gefallen, verhört sie, rasiert ihr die Haare ab, drückt ihren Kopf unter Wasser, bis sie das Bewusstsein verliert. Irgendwann hat Evey vor nichts mehr Angst und V sein Ziel erreicht. Die Frage, was von Evey übrig bleibt, wenn sie keine Angst mehr empfinden kann, wird nicht gestellt.

01:26 am, BY wgirl[4 Anmerkungen]

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In der englischsprachigen Sneak The Perks of Being a Wallflower gesehen. Obwohl nicht schlecht, lässt sich über den Film nichts schreiben, was nicht auch aus Trailer und Romanvorlage hervorgeht. Keine cineastischer Meilenstein, nicht der neue Breakfast Club, aber ein High School-Film von der guten Sorte, für Herbstabende und “Bin ich wirklich schon so lange nicht mehr 16?”. Als das Licht anging, fragte die Begleiterin, wo solche Leute waren, als sie noch zur Schule ging. Hab sie dann daran erinnert, dass wir uns alle immerhin kurz darauf, im ersten Jahr an der Uni, kennengelernt haben. Auch schon wieder ewig her.

12:17 am, BY wgirl[1 Anmerkung]