Würde es den Mitwohn-Ex nicht geben, ich wäre nie nach Gibraltar gekommen und mir hätte auch nichts gefehlt. Nach Gibraltar reisen nur Engländer mit Glatze und Knasttattoos zum Bingo spielen. In Gibraltar ist Alkohol steuerfrei und Busfahren kostet nichts. Beides sagt eigentlich alles über die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aus.

Gibraltar ist mehr Kleinstadt als Land. Bisschen mediterran, bisschen britisch, mit einem Hauch polnischem Grenzmarkt. Der Geräuschpegel der Halbinsel liegt durchgehend auf Baustellenniveau. Obwohl der Platz beschränkt ist, fährt man überall mit Auto oder Roller hin. Bekannte werden zur Begrüßung angehupt und bei 20000 bis 40000 Einwohnern (unterschiedliche Zählarten) kennt eigentlich eh jeder jeden. Außerdem führt die Landebahn des Flughafens quer über die Hauptstraße.

Neben Bingo lockt Gibraltar auch mit kulturellen Highlights wie Aussichtsplattformen und militärischen Verteidigungsanlagen. Der Berg (Oder wie ein Einwohner launig korrigierte: “It’s not a mountain, it’s a rock!”) ist komplett untertunnelt, teils als Maßnahme im Zweiten Weltkrieg, teils aufgrund früherer Belagerungen. Als Deutsche bekam ich jedenfalls gleich Mal paar Hitler-und-Gibraltar-Dokus auf Youtube empfohlen, die ich bisher noch nicht angesehen habe. Zeitmangel und so.

Natürlich darf man beim Thema Gibraltar die Berberaffen nicht vergessen. Mit ihnen verhält es sich so, wie mit den Delfinen im Meer und Elchen in Schweden: sie sind unsichtbar. Meistens zumindest. Wenn man sehr verzweifelt ist, bleibt immer noch eine Aussichtsplattform mit Futterstellen. Dort lungert der Mob dann herum (Ja, die Doppeldeutigkeit war beabsichtigt). Weil Touristen (nicht wir, immer die Anderen) Nüsse zufüttern, sind die Affen häufig übergewichtig und haben schlechte Zähne. Außerdem klauen sie und wären einst aufgrund von Inzest fast ausgestorben (Jaja, deine Mutter). Um das zu verhindern wurden einige unverbrauchte Exemplare importiert. Deswegen spricht man mittlerweile wiederum von einer Affenplage.
