Während das Studium gerade eher deprimiert - erfolglose Suche nach einem Betreuer für die Magisterarbeit, öde Pflichtveranstaltungen, unverhältnismäßiger Arbeitsaufwand - wird die Arbeit immer befriedigender. Es ist ein Aushilfsjob in einer Druckerei. Etwas, was mit Einarbeitung wohl jeder Hauptschüler könnte: bisschen Technik, bisschen Ordnung, viel Geduld. Trotzdem ist es abwechslungsreich und macht manchmal sogar Spass.
Kunden sind Studenten und Rentner, Geschäftsleute mit Deadline im Nacken und Stammgäste, die auch mal länger bleiben. Ich kann nicht ganz verstehen, warum ausgerechnet mir Arbeit mit Menschen zumindest tendenziell gefällt. Vielleicht sind es die kurzen, unverbindlichen Begegnungen. Ein Fremder kommt und für 10 Minuten oder 2 Stunden bekomme ich einen Einblick in seinen Alltag: der übernächtigte Kneipenbesitzer kurz vor der Eröffnung, der Flyer braucht. Die Landschaftsarchitektin, die ihre Baupläne vervielfältigen möchte. Anstrengende Kunden sehe ich als Herausforderung. Ist jemand mit dem eigenen Auftrag überfordert, helfe ich gerne. Einige wenige überlasse ich lieber den Kollegen. Hinterher fasst man sich kurz gemeinsam an den Kopf, dann geht es weiter.
Stress kam bisher nur von Außen (oder von mir selbst). Aufgesetzte Zwangskumpelei gibt es aber auch nicht. Manchmal verdreht der Vorgesetzte die Augen, manchmal bin ich etwas zu sehr auf mich gestellt. Es dauerte, bis ich mit den Kollegen warm wurde. Trotzdem läuft es. Ganz ohne Machtspielchen und getuschelt wird eh nur über die Kunden. Die Hierarchie geht tatsächlich ausnahmsweise nach Kompetenz. Mache ich Fehler, nuschelt der Vorgesetzte “Kommt vor” und hilft. Aber sie werden auch immer seltener. Es beruhigt mich zu wissen, dass mich die Hochschule nicht komplett inkompetent gemacht hat. Von all meinen Jobs ist es bisher der Beste. Wobei Akt stehen aber auch ganz okay war.