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Prechts

Wieso über Precht nörgeln, wenn es noch so viele andere Sorten (angehender) Philosophen gibt, die man hassen kann?

Der FAZ-Abonnent: Ist bisschen der BWLer unter den Geisteswissenschaftlern. Zumindest optisch, wenn er tageszeitunabhängig mit Jackett und Lederaktentasche im Seminarraum aufläuft. Seine Eltern sind gut situiert oder osteuropäische Immigranten. Entweder ist er überdurchschnittlich belesen und gebildet, oder ziemlich gut mit Namedropping. Ansonsten ganz umgänglich, wenn auch harmlos. Spricht man mit ihm über studienrelevante Themen, entsteht der Eindruck, dass er sein Wissen eher verwaltet als schätzt. Mag bisschen Nietzsche und Adorno, weil sich darüber gut reden lässt. Wird vielleicht Mal Unternehmensberater oder Frank Schirrmacher

Der Hegel-Nerd: Tritt gelegentlich als typischer Rollkragenphilosoph auf. Mit Hornbrille und Rudi Dutschke-Haarschnitt. Ist leicht zu erkennen, weil er der Einzige ist, der sich noch meldet, wenn der Dozent fragt, wie Hegel das mit dem aufgehobenem Fürsichsein jetzt meint. Professoren kennen ihn mit Vor- und Nachnamen. Manchmal ein Auslöser für Neid. Alles Schlechte wünschen kann man ihm aber auch nicht: wie die meisten Nerds gleicht er Spezialwissen mit Defiziten an sozialer Kompetenz und der Bewältigung alltäglicher Notwendigkeiten aus. Er wird als sonderbarer Kauz enden. Oder im akademischen Mittelbau.

Der Kritische: Verteilt vorm Seminar Flyer für Gegenstandpunkt, Asta und seinen Kumpel Uli, der am Wochenende in irgendeinem Keller Faschismus, Rassismus und Sexismus mit selbstproduziertem Electro bekämpft. Während der Hegel-Nerd lediglich wie Dutschke aussieht, beherrscht der Kritische dessen Rhetorik. Und die von Marx. Und Marcuse. Wobei “beherrschen” jetzt auch nicht inflationär verwendet werden sollte. Für Bullshitbingo (“Kulturindustrie”, “Sublimierung”, “Arbeiterklasse”) ganz prima, inhaltlich erübrigt es sich aber schnell, wenn man irgendwann Mal selbst in “Versuch über die Befreiung” reingeblättert hat.

Der Hippie: Hatte schon in der Schule Philosophie LK. Neben PoWi und irgendwas mit Sprache. Allerdings ist das etwa 15 Jahre her. Für ihn persönlich ist das Philosophiestudium unheimlich bereichernd, genauso wie Gartenarbeit und Kiffen. So ähnlich ist auch der Austausch mit ihm. Manchmal Überschneidungen mit dem Kritischen, Stichwort Marcuse. Ansonsten ein Freudianer durch und durch, dazu offen für alles Fernöstliche. Schon schade, dass so wenig Lehrveranstaltungen zum Jainismus angeboten werden. Sein Vorteil ist der Wiedererkennungswert. Sonst trägt im Winter ja niemand Sandalen.

Die Aufgeschlosse: ausnahmsweise in weiblicher Form, weil eben meist weiblich. Studiert Philosophie im Wechsel mit Kunstgeschichte, Religionswissenschaften und Kulturanthropologie. Keine Ahnung, wie sie da rein geraten ist. Ist in Seminaren auffällig unauffällig und verschwindet nach wenigen Semestern. Entweder, weil sie doch lieber eine Ausbildung zur Verlagskauffrau anfängt, oder weil sie nach einer Einführung in Gender Studies ins Lager der Kritischen wechselt. Vielleicht erstickt sie aber auch an einer ihrer Strickjacken. Fakt ist jedenfalls, dass sie in Hauptseminaren kaum noch auftaucht.

07:53 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]

  1. emyle-miller hat diesen Eintrag von wgirl gerebloggt
  2. von wgirl gepostet