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Gesehen: The Dark Knight Rises

Über Bruce Wayne (Christian Bale) wird erzählt, er hätte seit Jahren nicht mehr den Ostflügel seines Anwesens verlassen. Er würde sich nicht mehr die Fingernägel schneiden und in Einmachgläser urinieren. Schon früher galt der Millionär nicht gerade als gesellig, mittlerweile hat er sich jedoch vollständig isoliert. Weil dieser Teil der Story sich eher für einen Lars von Trier-Film eignen würde, bleibt es natürlich nicht dabei. Das Auftauchen einer neckischen Schmuckdiebin (Anne Hathaway) und Gerüchte um eine geheime Untergrund-Armee machen, dass sich Wayne trotz maroder Kniescheiben wieder in seinen Hardplastikoverall zwängt. 

The Dark Knight Rises ist nicht unbedingt der beste Batman-Film. Viel zu lange dauert es, bis aus der Gotham City-Stadtverordnetenversammlung endlich eine halbwegs spannende Handlung entsteht. Dazu kommt, dass der aktuelle Antagonist Bane (Tom Hardy) in etwa die Ausstrahlung eines sowjetischen Hinterhofringers besitzt und seine deutsche Synchronstimme so klingt, als würde ein Betrunkener Harry Potter-Romane vorlesen. Nichts mehr von der euphorischen Zerstörungswut eines Jokers oder der Undurchschaubarkeit von Two-Face.

Herzerwärmend ist dafür das gezeigte Menschenbild. So lange es sich nicht um Waisenkinder handelt, treten die Einwohner Gothams als pöbelnder, selbstgerechter Mob in Erscheinung. Die durch Bane inszenierte Revolution erinnert dementsprechend schnell an die Jakobinerherrschaft. Einzig die Ordnungsmacht der vorrevolutionären Zeit stellt sich, gegen Ende, dem Treiben in den Weg: selten waren Polizisten, die Bürger niederknüppeln, so positiv belegt wie hier. Dennoch besteht kein Grund zur Sorge, die Botschaft des Films wäre gegen individuelle Selbstbestimmung: blinder Gehorsam wird genauso abgelehnt wie radikaler Aktionismus.

12:33 pm, BY wgirl