Klischee: du arbeitest im Dienstleistungsbereich. Männer werden zotig oder fassen dir an den Hintern. Trotzdem musst du nett lächeln und winken.
Erfahrung: du arbeitest im Dienstleistungsbereich. Das Problem sind ältere Frauen.
Also nicht, dass Männer grundsätzlich pflegeleicht sind. Aber der einzige männliche Kunde, der privat Kontakt zu mir gesucht hat, wollte mich zu einem Treffen seiner Freikirche einladen. Zum Thema Frauen dagegen stehe ich im regen Erfahrungsaustausch mit den männlichen Kollegen. Was bisher u.A. geschah:
- Kundin (50) fasste meinem Kollegen (25) an den Hintern und versucht es später noch ein zweites Mal
- andere Kundin zeigt mir ein Bild und fragt, woran es mich erinnert: wir beide wissen, dass es eine Vagina zeigt, später erzählt sie mir von ihrer Libido, ganz ohne tmi-Hashtag
- selbe Kundin bringt den Kollegen Pinienzapfen mit, inklusive “Damit ihr mit den Samen spielen könnt.” plus Augenzwinkern
- wieder eine andere Kundin erklärt dem Kollegen eine Strategie, mit der sie seine Orgasmen kontrollieren will (Irgendwas Esoterisches. Nein, ich denke mir sowas nicht aus.)
Machen wir uns nichts vor, würden Männer sich so verhalten, hätten sie längst Hausverbot. Die einzelnen Episoden sind zwar später lustige Anekdoten und generell nicht bedrohlich, in dem Moment, in dem sie stattfinden, aber auch nicht sonderlich erbaulich. Für die männlichen Kollegen ist es schwierig, weil sie nicht gewohnt sind, mit solchen unwillkommenen Avancen umzugehen. Zu Mal sie auch nicht Kundinnen verschrecken wollen, in dem sie zu harsch reagieren. Für mich ist es schwierig, weil ich bei aller Offenheit ganz gerne selbst entscheide, mit wem ich über intime Themen spreche. Und es gibt genug Leute, von denen ich keine Details wissen will. Musiklehrerinnen um die Sechzig gehören für gewöhnlich dazu.
Natürlich flirten wir auch mit Kunden oder freuen uns über Komplimente. Unfairer Weise noch mehr, wenn sie von Menschen hervorgebracht werden, die tendenziell auch unseren privaten Interessen entsprechen. Aber eigentlich ist alles willkommene Abwechslung, was nicht impertinent ist. Dagegen: was Genitalien oder Körperausscheidungen beinhaltet oder mit Körperkontakt einher geht, ist zu viel. Auch von Stammkunden und Frauen. Kann man sich aber sicherlich einfach merken.