Seit ich meinen Studienabschnitt zu Gender Studies abgeschlossen habe, halte ich zu Feminismus eher Distanz, um es Mal vorsichtig zu formulieren. Die ganze Sache ist etwas komplizierter, vielleicht erläutere ich sie ein anderes Mal, vermutlich aber nicht: Ist auch nicht so spannend. Trotzdem lese ich alle paar Monate Mal ein Buch zum Thema, zuletzt Natasha Walters Living Dolls. Neben ein paar anderen Dingen (Verallgemeinerungen, implizierte Vorstellungen von angemessener Sexualität und Intimität etc.) störte mich vor allem, dass es für Walter scheinbar auch wieder nur zwei mögliche Lebensweisen für Frauen gibt: entweder als Reproduzentin patriarchaler Strukturen, etwa als (unreflektierte) Hausfrau oder Pornodarstellerin oder eben mit eigener Karriere.
Vielleicht bin ich auch einfach zu unsachlich bei dem Thema, weil es mich selbst betrifft. Für mich möchte ich weder das Eine, noch das Andere und schon gar nicht beides. Am liebsten möchte ich natürlich zu Hause bleiben, ganz ohne häusliche Pflichten oder finanzielle Abhängigkeit. In absehbarer Zeit lässt sich sowas aber nur durch einen Eintritt ins Wachkoma verwirklichen. Daher bin ich auf der Suche nach einer weiteren Möglichkeit, eine Lebensgestaltung nach meinen Interessen zu finden. Möglichst wenig Arbeitszeit für ein Einkommen, dass zumindest die Fixkosten abdeckt und ansonsten vor allem Freizeit. Ich bin ein Slacker. Ich möchte beruflich nicht in einer leitenden Position sein und auch nicht nächtelang wach bleiben, damit mich irgendein Vorgesetzter Mal für eines meiner Projekte herzt.
Das ist natürlich ziemlich naiv. Selbst in den meisten meiner bisherigen Studentenjobs wurde, zumindest der offiziellen Firmenpolitik nach, fast schon privates Engagement und Identifikation mit dem Unternehmen erwartet, egal ob beim Daten eingeben oder Müll sortieren. Das klassische Rumgammeln hinter Tresen schmuddeliger Videotheken und kleiner Bars scheint zu verschwinden. Falls es nicht immer schon eine Urban Legend war. Nicht das ich komplett antriebslos bin: wenn ich arbeite, arbeite ich. Aber ich möchte Arbeit nicht als Lebensmittelpunkt haben. Ich möchte auch keine pauschale Kapitalismuskritik starten. Wer viel leistet und in fachliche Kompetenz oder persönliche Connections investiert, soll meinetwegen auch viel bekommen (Ja, ich weiß, so einfach funktioniert das System nicht, aber darum soll es hier auch nicht gehen.). Ich selbst möchte allerdings nicht viel. Statt viel Geld sind mir Lesen, Ausschlafen und Sex lieber.
Womit wir wieder beim Thema “feministische Literatur” wären. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den Büchern oder Artikeln, die ich gelesen habe, Mal ein anderes Konzept als “Erfüllung durch beruflichen Erfolg” vorgestellt wurde. Außer vielleicht bei Valerie Solanas. Muss natürlich nichts heißen, denn so belesen bin ich auf diesem Gebiet auch nicht. Beruflicher Erfolgs als Basis für Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit undsoweiter ist für meinen Geschmack jedenfalls zu protestantisch. Der Stellenwert von Arbeit ist eigentlich ein gesamtgesellschaftliches Thema, aber gerade in Bezug auf Frauen, wo es in den letzten 100 Jahren einige Veränderungen bei der Lebensgestaltung gegeben hat, hätte es doch nahegelegen, nicht einfach bereits vorhandene Ideale zu übernehmen, sondern auch nach Alternativen zu suchen. Das es nicht dazu kam, liegt dann aber auch wieder daran, dass feministische Theoretikerinnen selbst zu der Sorte Frau gehören, die ihre Arbeit erfüllend finden. Für mich jedenfalls ist Selbstverwirklichung durch Arbeit keine allzu ansprechend Option und ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich zu wenig emanzipiert oder einfach nur zu faul bin.