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Gesehen: Girls

Manchmal sitze ich mit Freundin N. zusammen und wir denken an all die Geschichten zurück, die wir bereits miteinander erlebt haben. Und dann hoffe ich, dass sich niemand sonst mehr daran erinnern wird, wenn ich als Philosophin zu Anerkennung und Erfolg gekommen bin. Weil das Meiste, an das wir gerne zurück denken, eher zu Charlie Sheen passen würde. Manchmal habe ich mich in solchen Situationen gefragt, warum da eigentlich noch niemand so wirklich drauf gekommen ist: eine Buddy-Komödie mit Mädchen. Okay, es gibt Sex and the City und Bridesmaids, aber darin geht es immer eher um Frauen, die schon einen etwas gefestigteren Background haben und daher in manche Situationen gar nicht erst geraten. Mit irgendwaszwanzig dagegen ist man auf vielen Gebieten noch unheimlich blöd. Oft macht das Spass. Zumindest im Nachhinein.

Lena Dunham ging es vielleicht ähnlich. Allerdings war sie motivierter als ich und machte aus der Frage, wie es so ist, wenn das Studium durch ist, aber klare Vorstellungen zum Thema Zukunft fehlen, die Serie Girls. Ich mag Girls. Zumindest die 5 Folgen, die ich bisher gesehen habe. Girls handelt von vier New Yorker Freundinnen und Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda kommen nur als Poster an der Wand vor. Eine ist Studentin, die Anderen schlagen sich mit Praktikas, Babysitting-Jobs oder der ersten Festanstellung rum. Die Wohnung ist eine WG, die Eltern wollen nicht mehr zahlen und die Männer benehmen sich auch komisch, entweder ermüdend korrekt oder genau im Gegenteil, unreif und unnahbar. Das ist eigentlich schon der ganze Plot.

Natürlich ist das ganze nicht so trocken wie von mir runtergeschrieben. Girls funktioniert oft auf zwei Ebenen: Fremdscham und Wiedererkennen. Also nicht das ich alles selbst genauso gemacht habe, aber Vieles erscheint nicht unbekannt: sich dramatisch den Kopf über jemanden zerbrechen, der sich bestenfalls halb für einen interessiert. Ausgefallener Sex, der eher schräg als erotisch ist. Soziale Inkompetenz, privat und auf beruflicher Ebene, etwa wenn die Hauptfigur Hannah während eines Vorstellungsgespräches Vergewaltigungswitze macht. Soweit bin ich zwar bisher nie gegangen, trotzdem konnte ich mir manche Folgen nur in 5-Minuten-Häppchen ansehen, so verstörend war es.

12:48 am, BY wgirl[1 Anmerkung]

  1. von wgirl gepostet