wondergirl

Tag 30/11/2012

In der Orientierungsstufe habe ich in Freundschaftsalben gerne reingeschrieben, dass Herbst meine Lieblingsjahreszeit ist: es ist weder warm, noch kalt. Die Bäume sind bunt, die Luft ist klar, Nebelwände verzaubern Landstraßen, bei uns in Küstennähe gibt es die ersten starken Stürme, so laut, dass man nachts wach liegt und dankbar für das warme Federbett und den Hund am Fußende ist. Bestimmt wurde “Der Schimmelreiter” in solchen Nächten geschrieben. Außerdem habe ich im Herbst Geburtstag, was auch noch Mal ein enormer Pluspunkt ist, wenn man kein eigenes Geld hat und auf Geschenke angewiesen ist.

Jetzt bin ich froh, wenn ich den November überstanden habe. Während der Dezember meist mit Weihnachtsverpflichtungen und Lebkuchen vollgestopft ist und es im Januar langsam wieder heller wird, geht es im November erst ein Mal abwärts. November fühlt sich für mich an, wie Atréjus Ritt in die Sümpfe der Traurigkeit. Die Freunde rufen nicht an, das Studium ist ohne Nutzen, das Geld knapp, die Jobsituation aussichtslos und der Typ macht auch Probleme. Im Juli wäre das alles ein Achselzucken, wird ja wieder, wie es immer irgendwie geworden ist. Im November dagegen ist einfach Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit, Schwere. Jedes Jahr aufs Neue.