wondergirl

Tag 08/12/12

"Du bist ein nettes Mädchen. Vielleicht ein bisschen verrückt. Manchmal auf eine Art, die einen Angst macht. Aber ich mag dich trotzdem, daher…" leitet der Kollege seinen Satz ein, meint es ernst und ich bin ein bisschen verletzt. Als Tocher eines psychisch kranken Vaters ist "verrückt" kein Adjektiv, bei dem ich mir High-five gebe. Zu Mal mein Lebenswandel auch nicht die Möglichkeit einräumt, dass "verrückt" nur ein Synonym für "abenteuerlustig" oder "risikofreudig" ist: ich bin weder das Eine, noch das Andere. Was ich vielleicht bin, ist unsicher, ängstlich und unzulänglich im zwischenmenschlichen Bereich. An schlechten Tagen überlege ich durchaus, ob es eine Erbe ist. Nicht genetisch, aber durch die Erfahrungen. Irgendwann fängt man als Mensch an zu lernen, wie soziales Interagieren funktioniert. Und wenn eine der engsten Bezugspersonen da auch in erster Linie schwierig ist… zu Mal bereits die Mutter meines Vaters psychische Probleme hatte, die über eine Winterdepression hinaus reichten. Ich möchte nicht verrückt sein. Ich stalke niemanden, ich sammle keine Katzen und versuche, Andere nicht zu manipulieren. Mit 27 möchte ich reif, zuverlässig oder kompetent wirken, aber nicht geisteskrank.