Während der Umgangston mit den anderen Kollegen überwiegend flapsig ist, ist er bei einer Kollegin vor allem missverständlich. Zumindest zwischen ihr und mir. Aus Angst vor zukünftigen Eskalationen sage ich es ihr beiläufig. Sie sieht es ähnlich, ich rechtfertige mich damit, dass ich oft einfach nur so rede, ohne groß darüber nachzudenken. Sie antwortet darauf, dass sie es eigentlich gewohnt ist, immer auf das einzugehen, was Andere sagen. Weil sie eben ihre Gesprächspartner immer ernst nimmt, also davon ausgeht, dass immer nur ernstzunehmende Dinge gesagt werden. Ich bin ein bisschen beleidigt, ob des subtilen Vorwurfs.
Früher habe ich viel darüber nachgedacht, was ich sagen kann, um Andere nicht zu langweilen oder vor den Kopf zu stoßen. Anders gesagt: ich war schüchtern. Und habe damit Andere vermutlich oft gelangweilt und vor den Kopf gestoßen. Freundschaftlicher Umgang kam so jedenfalls selten zustande. In dem ständigen Grübeln und Reflektieren lag sehr viel Egozentrik. Geholfen hat es dafür nie. Wenn ich schließlich doch Mal den Mund aufgemacht habe, klang es ungeschickt und unaufrichtig weil unspontan.
Mittlerweile sage ich eher was, als dass überhaupt nichts passiert. So steht die Chance, dass kommuniziert wird, immer noch besser als beim Schweigen. Abgesehen davon habe ich auch oft Lust, mich mitzuteilen, Andere zu provozieren oder mehr über sie zu erfahren. Ohne das es immer zielgerichtet ist, einfach als Zeitvertreib und Spiel, die einzelnen Worte müssen nicht ernst genommen werden. Ich aber gerne schon. Vielleicht ist sowas seicht. Aber reden, nur um bewusst etwas mitzuteilen: ist es nicht wie essen, nur um satt zu werden oder Sex haben, allein für die Reproduktion? Es ist doch gerade menschlich, Dinge zu tun, die nicht unmittelbar nützlich sind.
Ist eine Unterteilung in “ernst nehmen” und dem Gegenteil davon nicht daher genauso irrelevant wie die Unterscheidung zwischen U- und E-Kultur? Habe ich nur Anspruch darauf, von meinem Gegenüber ernst genommen zu werden, so lange ich eine Botschaft habe, die ernst genommen werden kann? Und teile ich nicht auch was mit, ohne es gerade heraus zu sagen (und ohne irgendwelche Freud-Erklärungen zu Versprechern und Witzen)? Vor allem aber auch: was ist wert, ernst genommen zu werden? Wie viel Prozent dessen was wir sagen ist lebensnotwendig? Und wer beurteilt das?







