
Sieht den Pressefotos nach erst ein Mal so aus, als würde es sich um American Pie, Teil 27 handeln. Davon sollte man sich nicht unbedingt abschrecken lassen, denn hinter Spring Breakers steckt Harmony Korine, der auch an den Drehbüchern zu Kids und Ken Park mitschrieb.
Vier Freundinnen aus Kindertagen haben genug davon, immer nur die gleichen Leute, die selben Vorlesungen und öden Wohnheimflure zu sehen. Sie überfallen ein Restaurant und setzen sich mit der Beute zum Spring Break nach Florida ab. Dort geraten sie an den White Trash-Gangster Alien, für dessen Zwecke sie sich ziemlich bereitwillig einspannen lassen. Vielleicht lässt er sich auch von ihnen einspannen. Aber eigentlich ist das auch nicht entscheidend.
Spring Breakers handelt vom Eskapismus, dem jeder irgendwo nachhängt. Man muss kein Freud-Leser sein, um zu wissen, dass es als Mensch unter Menschen eher selten einfach ist. Und während die einen sich mit einem Buch einschließen, meditieren oder Bergwanderungen machen, ziehen sich die Spring Breakers-Mädchen Sturmhauben über die Köpfe und lassen sich von Alien in Kreise einführen, vor denen ihre Mütter sie gewarnt hätten.
Es ist allerdings auch nicht so, dass die Pressefotos Dinge versprechen, die sie nicht einhalten. Natürlich ist Spring Breakers keine reine Metapher für das Leben in der Zivilisation und seine Missstände. Es geht auch um Freundschaft, Jugend und Exzess. Dieses Mal zur erfreulichen Abwechslung nicht in Form einer maskulin besetzten Buddy-Komödie, sondern in weiblich. Da dann auch mit wenig Bekleidung, allerdings ist es auch so nicht wahnsinnig ungewöhnlich oder abwegig, wenn sich Frauen um die 20 sexuell ansprechend inszenieren (lassen).
Immer wieder hört man die Protagonistinnen mit den Daheimgebliebenen telefonieren. Ihren Müttern und Freundinnen erzählen sie, wie wunderbar sie sich selbstfinden und wie besonders die Menschen sind, die sie während ihres Trips treffen. Parallel zu diesen Telefonaten werden Bilder gezeigt, nach denen die Mädchen mehr und mehr eskalieren. Aus Alkohol wird Kokain, aus Sex werden Raubüberfälle. Während die Begleitung die Redundanz bemängelte, erinnerten mich diese Wiederholungen eher an einen Refrain.
Auch die wenig komplexe Handlung macht aus den Film zu einem Lied. Vielleicht eine Gangsterballade, ein bisschen melancholisch, ein bisschen wild, oft auch kitschig, etwa wenn Alien am Flügel Britney Spears-Titel nachspielt und singt. Ästhetischer Trash, gepaart mit einer Erzählung, die sich nur scheinbar auf den ersten Blick erfassen lässt, machen den Film für mich interessant. Das Ende verweist erneut darauf, dass alles nur eine eskapistische Phantasie ist, die nur die sich leisten können, die noch über ein andere Leben verfügen. Der Rest bleibt auf der Strecke.
(Ganz offiziell läuft Spring Breakers zum 21.3. an.)


