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Gesehen: Shame

Michael Fassbender als Brandon beziehungsweise als das, was er sonst auch ist: schön, erfolgreich, zusätzlich noch einsam. Symptom der Einsamkeit ist Brandons Sexsucht. Er schleppt Frauen ab, bestellt Prostituierte, sammelt Pornos, wichst auf der Firmentoilette, ist Stammkunde in Camsexportalen. Als seine Schwester auftaucht wird offensichtlich, wie unfähig zu jeder verbindlichen zwischenmenschlichen Beziehung Brandon eigentlich ist. 

Ich hatte im Kino gemischte Gefühle. Einerseits: es war mir zu uninspiriert, die alte Geschichte vom neuen Menschen, der unsozial und in seiner Freiheit verloren ist. Auch der Teil mit der übermäßigen Sexualität stieß mir etwas auf. Promiskuität wird in Filmen zu häufig als destruktiv oder albern gezeigt, siehe Californication oder bei Barney Stinson in How I met your mother. Nicht als ein sexueller Lebensstil neben anderen auch.

Andererseits wäre es auch bisschen viel Political Correctness, alles unkritisch stehen zu lassen. Mit dem Zusammenhang zwischen größerer Freiheit bei Lebensplanung und Partnerwahl und dem Unvermögen längerfristige Beziehungen zu entwickeln haben sich schon andere befasst, etwa Sven Hillenkamp in seinem Buch Das Ende der Liebe. Einige Menschen finden sich damit zu recht und sind zufrieden. Andere scheitern, so wie Brandon. Viele leben irgendwo dazwischen. Wie es vermutlich immer war. 

Als Lösung bietet Shame Ehe und Familie an. Für Brandon jedoch kein Ausweg und falls doch, kommt er zu spät. Alles andere wäre aber auch zu Disney-lastig. Trotz aller Ambivalenzen und bisschen zu viel Pathos um die Schwester hat mir Shame gefallen (Berührt wäre zwar treffender, klingt aber so, wie es eben klingt). Ich mochte, dass so wenig gesprochen wurde, weil sich über manches einfach nichts sagen lässt. In einigen Facetten habe ich mich wiedergefunden.

Außerdem ist Fassbender auch nackt ein schöner Mann.

08:52 pm, BY wgirl

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Gesehen: Downton Abbey

Downton Abbey liegt irgendwo zwischen Jane Austen-Roman und Mad Men. Erste Staffel der Serie beginnt mit dem Untergang der Titanic und endet mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf dem Anwesen Downton Abbey sorgen sich Earl und Countess of Grantham um die Erbfolge: Titel, Grundbesitz und Vermögen gehen an den nächsten männlichen Verwandten. Sie aber haben nur drei Töchter. So bleibt nur Cousin Matthew, ein bürgerlicher Anwalt, mit wenig Lust auf ein entschleunigtes Leben als Gentleman. Trotzdem lassen er und seine Mutter sich in die Gesellschaft auf und um Downton einführen.

Die adelige Familie steht nicht alleine im Mittelpunkt. Den Sorgen und Intrigen ihrer Bediensteten wird ebenso viel Raum gegeben. In einer Zeit mit Arbeiterbewegung und Suffragetten werden herkömmliche Verhaltensweisen und Hierarchien nicht mehr ganz unhinterfragt übernommen. Das gilt für die Angestellten genauso wie für die Töchter im heiratsfähigen Alter. Gleichzeitig geht es nicht um öde Sozialkritik. Statt Klassenkampf wird eine gegenseitige Abhängigkeit gezeigt. Zumindest als Ideologie war so etwas in Großbritannien lange Zeit und schichtübergreifend verbreitet.

Laut Wikipedia ist Downton Abbey die englischsprachige Fernsehserie mit der positivsten Resonanz. Wikipedia hat selbstverständlich immer recht, so auch hier. Derzeit leide ich sehr darunter, dass es nirgendwo die zweite Staffel mit Untertiteln gibt. Allein zum Hören sind mir die Originaldialoge zu komplex. Downton Abbey mochte ich so, wie ich Austen-Romane mag: eine Welt, in der Kommunikation die Handlungen ersetzt. In der deshalb viel kommuniziert und sehr genau auf Zwischentöne gehört wird. Anspruch entsteht dardurch, dass ich als Zuschauer einzelne Zeichen finden und entschlüsseln kann. Ansonsten gibt es da noch Setting und Detailverliebtheit. Muss man aber bei einem Kostümfilm kaum extra erwähnen.

10:58 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Gesehen: American Horror Story

Hat sich bestimmt ein Freudianer ausgedacht: Familie Harmon ist nicht frei von Spannungen. Die Ehe der Eltern, Vivien und Ben, steht kurz vor dem Aus, nachdem sie eine Fehlgeburt und er einen Seitensprung hatte. Tochter Violet reagiert auf den Konflikt der Eltern mit pubertätstypischer Reserviertheit. Der beste Moment um in ein Haus zu ziehen, in dessen Keller unergründliche, dunkle Mächte (und ein spitzzähniges Monster) am Werk sind und unter dessen Dach ein herrenloser Gummifetischanzug hängt. Soweit so subtil.

Das Haus alleine ist nicht unheimlich genug, hat es doch auch schöne Tiffanyscheiben. Zusätzlich tauchen immer wieder seltsame Menschen auf: ein Mann mit verbranntem Gesicht, der Geld fordert. Ein Hausmädchen, dass Ben in junger Form und Vivien als ältere Dame erscheint. Nachbarin Constance, als Schönheit gealtert und als Schauspielerin gescheitert, die auch Mal das Silberbesteck mitnimmt. Tate, ein Heranwachsender mit Gewaltphantasien, der Hilfe bei Ben als Psychiater sucht. Im Laufe der Folgen zeigt sich, wie die Vergangenheit der Vier mit der des Hauses verflochten ist. 

Bin immer noch ein wenig unentschlossen, wie ich American Horror Story fand. Mit den Figuren wurde ich nicht recht warm: ritzende Teenager, Schwule mit Dekofimmel und fremdgehende Ehemänner sind trivial. Alle sehen gut aus und wenn nicht, dann sind sie behindert oder durch Selbstverbrennung entstellt. Das zentrale Problem, welches verhindert, dass Familie Harmon einfach ihre Sachen packt und das Haus verlässt, ist die mögliche Scheidung der Eltern: wer geht wohin, wer bleibt. Auch nicht so spannend und in seiner Naivität eigentlich auch sehr Klischee, was Horror-Filme angeht. Einfach eine andere Form von “Da draußen im Dunkeln läuft ein Axtmörder rum, mein Handy hat auch keinen Empfang, besser, ich schau Mal nach.”.

Dagegen mochte ich die unterschiedlichen Geschichten, darüber, was die Einzelnen mit dem Haus verbindet. Immer wieder gibt es Rückblenden, die zeigen, wer das Haus in der Vergangenheit bewohnte. Die Serie lässt sich Zeit damit, die unterschiedlichen Episoden miteinander zu verknüpfen. Wie ein Puzzle, dessen Motiv erst kurz vor Schluss sichtbar wird. Nur besteht die Lösung nicht alleine darin, dass Gesamtbild zu erkennen.

05:21 am, BY wgirl[5 Anmerkungen]

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Gesehen: Come Fly with Me

Come Fly with Me ist eine Mockumentary der Little Britain-Jungs David Williams und Matt Lucas. In Deutschland wurden die sechs Folgen bereits im Sommer ausgestrahlt und gingen komplett an mir vorbei. Inhalt ist der Alltag eines britischen Großflughafens. Dort gibt es unter Anderem Schulabbrecher Tommy, der Pilot werden will und deswegen erstmal als Burgerbräter an der Flughafenfiliale einer Fastfoodkette anfängt. Es gibt die Pauschalreisenden Peter und Judith, die sich in jeder Folge aufs Neue über einen Urlaub in der Hölle beschweren und die zickigen Check-in-Damen Melody und Keeley. Wie in Little Britain auch, werden sämtliche Rollen von Lucas und Williams selbst gespielt.

Mit Little Britain habe ich mich am Anfang schwer getan: Monty Python finde ich nicht sonderlich lustig und das ist doch der ständige Vergleich. Irgendwann wurde aber aus “Naja” ein “WTF” und dann kannte ich alle Staffeln. Ich schätze, Little Britain macht mir deshalb Spass, weil ich mich mit den Figuren identifizieren kann. Nicht auf die schöne Art und auch ohne Vorbildfunktion. Es sind eher die fiesen und peinlichen Seiten, die ich wiederfinde. Die, die ich eher verstecke. Oder es zumindest versuche: Das Keiner-soll-mich-verstehen von Daffyd Thomas. Die Fuck you-Attitude von Vicky Pollard. Die pure Boshaftigkeit der Marjorie Dawes. Come Fly with Me funktioniert da ähnlich: Die Figuren sind scheinheilig und faul, eitel und haben Vorurteile. Alles so überzogen und bissig, dass man es kaum nicht lustig finden kann.

04:21 pm, BY wgirl[1 Anmerkung]

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Gesehen: Grave Encounters

Ab und an begleite ich den Mitbewohner und notorischen Dauerkartenbesitzer zum Fantasy Filmfest. Dieses Jahr also in Grave Encounters. Erwartet habe ich etwas in Richtung Paranormal Activity. Grave Encounters handelt von einem Filmteam, das eine Reality-Dokuserie zu paranormalen Phänomenen dreht. Der Thematik wegen üblicherweise inszeniert. Für Folge sechs lässt es sich über Nacht in einer ehemaligen Nervenheilanstalt einschließen. Um die Effekte kümmern sich dann dort doch Andere. Anders als in verwandten Mockumentarys wie Paranormal Activity oder Blair Witch Project wird es in Grave Encounters schnell mal konkret: Das zeichnet den Film einerseits aus, andererseits ähnelt der Grusel dabei einer Geisterbahnfahrt. Statt mit dem Unheimlichen zu spielen, ist es eher der Buh-Effekt, der einen zusammenzucken lässt. Ist auch okay, aber Albträume bekomme ich davon keine.

09:16 pm, BY wgirl

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Gesehen: Rise of the Planet of the Apes

Rise of the Planet of the Apes ist ein Film darüber, dass Affen auch irgendwie scheiße sind. Aber von vorne: Will Rodman (James Franco) forscht als Wissenschaftler nach einem Mittel gegen Alzheimer. Da sein eigener Vater von der Krankheit betroffen ist, ist seine Motivation entsprechend groß. Als Medikamente an Affen getestet werden, steigt deren Intelligenz an. Soweit, dass eine Schimpansin es schafft, die Wärter zu überlisten und auszubrechen. Sie wird erschossen, in ihrem Käfig findet sich ein neugeborenes Junges. Damit es nicht eingeschläfert wird, nimmt Rodman es mit nach Hause. Er nennt den Kleinen Caesar und zieht ihn fast wie ein Kind auf. Schon früh zeigt sich, dass Caesars Mutter die überdurchschnittliche Intelligenz auf ihn übertragen hat. Der Affe schafft Dinge, die gleichaltrige Kinder überfordern würden und spielt schließlich Schach. Trotzdem verfügt er auch über Verhaltensweisen, die Schimpansen eigen sind. Als Rodmans hilfsbedürftiger Vater von einem Nachbarn bedroht wird, reagiert Caesar aggressiv und fällt den Nachbarn an. Als Konsequenz darauf, muss Rodman ihn in ein privates Affentierheim (Geht bestimmt auch mit Magister!) geben. Die Affen dort sind die meiste Zeit in enge Käfige gesperrt und werden vom Sohn des Heimleiters misshandelt. Caesar beschließt seine Mitaffen zu befreien. Weil die Affen aber zu dumm für seine Pläne sind, bleibt ihm nichts anderes übrig, als bei Rodman Medikamentenproben zu stehlen, um die Anderen auf sein Level zu bringen.

Auf den ersten Blick ist Rise of the Planet of the Apes der Tierrechtsfilm schlechthin. Nicht nur, weil die Affen sich selbst befreien, auch weil aus ihrer Perspektive erzählt wird. Vor allem Caeser menschelt so sehr, dass er Zuschauern als Identifikationsfigur dient. Genau da wird es aber auch kritisch, aus zwei Gründen: Rise of the Planet of the Apes ist kein Tierbefreiungsfilm. Die Affen können sich erst selbst helfen, wenn sie menschlich werden. Bei den anderen Planet der Affen-Filmen ist klar, dass eigentlich nur eine Sorte Mensch durch eine andere ausgetauscht wird. Bisschen wie die Schweine in Animal Farm. Es ist weder zurück zur Natur noch gegen Speziesismus: die Affen werden zivilisiert und alle andere Tierarten ihnen untergeordnet. Der andere Grund hat etwas mit Mitleidsethik zu tun. An dem Konzept Mitleidsethik wird häufig kritisiert, dass Mitleid umso stärker empfunden wird, je ähnlicher ein Lebewesen uns ist (Wer hierzu mehr möchte: der Aufsatz “Biologische Grundlagen zum ethischen Tierschutz” von Hanno Würbel). Affenbabys sind schon irgendwie besser als Vogelspinnen und Caesar sympathischer als seine Kollegen, die kreischend an Gitterstäben rütteln. Vor allem bei Caesar fühlt man mit, wenn er aus seinem sozialen Umfeld herausgerissen und weggesperrt wird. Dabei ist fehlender Freiraum (hier mal im weitläufigen Sinne) wohl für jedes halbwegs bewusste Lebewesen unangenehm, unabhängig davon ob es Schachspielen kann oder nicht.

Ansonsten ist Rise of the Planet of the Apes schon gutes Hollywoodkino. Außerdem sind alle Affen computeranimiert, was ethisch natürlich korrekt ist.

05:43 pm, BY wgirl[2 Anmerkungen]

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Gesehen: Skins [UK]

Mit Skins habe ich es bereits einmal versucht – und nach 15 Minuten abgebrochen. War einfach zu stereotyp: Ein Haufen mittelmäßig aussehender Heranwachsender in einer englischen Mittelstadt, über Kiffen und den Verlust der eigenen Jungfräulichkeit. Der positiven Kritiken wegen ein zweiter Versuch. Dabei dann gleich mal die ersten beiden Staffeln durchgeguckt.

Bei der Skins-Clique handelt es sich um einen Haufen Oberstufenschüler in Bristol. Und ja, es geht um Drogen, Feiern, Sex, aber im Grunde genommen ist das alles nebensächlich. Hauptsächlich geht es ums adoleszente Beziehungsfreundschaftswirrwarr: die Freundin des Freundes, unerwiderte Liebe, Loyalität. Wie erklärt man der moslemischen Familie, dass der beste Freund auf Jungs steht und wie geht man damit um, wenn das frühere Rolemodel nach einem Unfall behindert ist. Was kommt nach der Schule?

Erwachsene tauchen selten auf, wenn doch, dann nicht im positiven Sinne: Chris’ Eltern lassen ihren Sohn im Stich, Jals Mutter ist bereits verschwunden, die Eltern von Cassie sind mit sich beschäftigt, Sids Eltern trennen sich, dann stirbt sein Vater. Eine Lehrerin lässt sich auf einen Schüler ein. Nicht nur die Jugendlichen sind gleichgültig und überfordert, ihre Eltern kommen ebenso viel oder wenig zurecht.

An Skins mochte ich, dass es für eine Serie verhältnismäßig bodenständig ist. Wenn in anderen Serien Drogenkonsum, Unordnung, Promiskuität und Homosexualität wahlweise Scheitern oder Drama bedeuten, ist es hier realistisch irrelevant. Es kommt halt vor. Dagegen nicht so gut: der gelegentliche Klamauk. Lange keinen Film mehr gesehen, in dem jemand vor dem Vater des Love Interests mit einer Strickleiter aus einem Fenster flüchtet. Vor allem die Episode um die Klassenfahrt nach Russland hat einige Eis am Stiel-Momente. 

(So exzessiv wie im Trailer geht es dann doch eher selten zu:)

12:10 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]