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Under The Skin

Über Under The Skin kann man eigentlich nicht schreiben (Natürlich mache ich es trotzdem). Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einem Film gesehen habe, der sich nicht in Worte fassen ließ. Vielleicht gibt es wenig Besseres, was sich über Kino sagen lässt.

Nachdem von The Guardian bis NEON eigentlich jeder den Film zumindest erwähnt hat, wissen vermutlich die Meisten, worum es geht: ein Alien hat sich den Körper einer Frau (Scarlett Johansson) angeeignet. Fährt so im Kleinbus durch Schottland, spricht Männer an, nimmt sie mit, lässt sie verschwinden. Darüber hinaus passiert rein narrativ wenig.

Ich kann mir vorstellen, dass jeder den Film für sich interpretiert, immer wieder anders. Für mich ging es in Under The Skin um Einsamkeit. Zumindest anfangs schafft es das fremde Wesen, sich unauffällig zu verhalten. Es fährt Auto, trägt Lippenstift auf, führt Gespräche. Und doch bleibt alles zwischenmenschliche, alles zivilisatorische leeres Ritual. Das Alien sieht, was passiert, erkennt aber keinen Sinn darin. Oder erkennt, dass es keinen Sinn gibt. Erst später, als es hilfloser, verwundbarer ist, beginnt es zu verstehen.

Auch möglich: Selbsterkenntnis als Vorraussetzung, um empfinden zu können. Im Laufe des Films tauchen immer wieder Spiegel auf. Das Alien betrachtet sich darin. Zu erst im Rückspiegel des Autos, später in einem Wandspiegel, der das Gesicht zeigt. Kurz vor dem Ende steht es vor einem Ganzkörperspiegel, nackt. Je mehr es von sich sieht, um so unberechenbarer wird sein Verhalten.

Under The Skin ist langsam, hypnotisch und schön. Für mich ist es ungewöhnlich, dass diese Art Film so lange meine Aufmerksamkeit halten kann: Ich würde ihn sogar wieder sehen.

Gesehen: 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse

Kam in den letzten Jahren selten vor, dass mir nach einem Kinobesuch vor Lachen das Gesicht weh tat. Ansonsten ist es kein Film, über den sich schreiben lässt. Zumindest nicht im üblichen Vokabular, das nach konstanter Handlung, komplexen Charakteren und sowas wie Spannungsaufbau fragt. Nur kurz: ich bin eigentlich kein Helge Schneider-Fan. Heranwachsende haben ja immer so Phasen, in denen sie zwanghaft Komiker und Filme nachsprechen müssen. In meiner Peer Group kam irgendwann, zwischen Otto Waalkes und Das Leben des Brian, Helge Schneider dran. Noch heute Falle ich als Reaktion auf ein fröhlich geschmettertes “Telefonmann!” in einen Sekundenschlaf. Seine Filme, soweit gesehen, mochte ich aber immer sehr. 

Gesehen: Anna Karenina

Irgendwann möchte ich noch Mal was über meine guilty pleasures, was Filme angeht, schreiben und Kostümfilme gehören definitiv dazu. Ich stehe sehr darauf, wenn das Setting vollgestopft mit Krempel ist, die Damen Kleider tragen, die ich mir alleine nicht Mal vorstellen könnte und der soziale Background der Handlung macht, dass englischer Landadel im 19. Jahrhundert zur einzigen angemessenen Berufsoption wird. Anna Karenina befriedigt diese Vorlieben vollkommen: es gibt Uniformen und Bälle, Tratsch und Intrigen, die allein durch Blicke weitergetragen werden. In weiten Teilen findet die Handlung auf Theaterbühnen statt, die sich wiederum in Modelleisenbahnlandschaften und Opernhäuser verwandeln. Das Ganze dann sogar, ohne das es überambitioniert wirkt. Ja, rein optisch war Anna Karenina schon sehr beeindruckend.

Leider: nach einer Stunde hofft man trotzdem langsam, dass sie bald Mal vor den Zug springt. Um festmachen zu können, woran das liegt, hätte ich vielleicht den Roman lesen sollen. Meiner Theorie nach schlägt hier der Madame Bovary-Effekt zu: die Hauptfigur (und damit meine ich tatsächlich Anna Karenina und nicht Keira Knightley) ist trotz ihres Elends auf eine Art und Weise inkompetent bis nervig, dass man mit der Zeit das Interesse daran verliert, wie ihre Geschichte endet.

Vermutlich Kinder ihrer Zeit, oder zumindest nach Blick des Autors auf seine Zeitgenossen, sind Ehebrecherinnen oft auf ebendiese Rolle beschränkt. Über Anna Karenina erfährt man sonst wenig, nur, dass sie ihren Mann hintergeht. Ihre ganze Persönlichkeit wird, zumindest im Film, darauf ausgerichtet: wie sie anfangs versucht, sich Graf Wronskij zu entziehen. Wie sie ihm nachgibt. Wie sie schließlich beginnt, an ihm zu zweifeln. Sie erschafft sich ihr eigenes Drama, wälzt sich darin herum, ist erfüllt davon. Dadurch wird sie zu einer der Bekanntschaften, die jeder hatte oder hat: die überwiegend mit Selbstmitleid von sich selbst erzählen. Denen geht man auch lieber aus dem Weg.

Gesehen: The Dark Knight Rises

Über Bruce Wayne (Christian Bale) wird erzählt, er hätte seit Jahren nicht mehr den Ostflügel seines Anwesens verlassen. Er würde sich nicht mehr die Fingernägel schneiden und in Einmachgläser urinieren. Schon früher galt der Millionär nicht gerade als gesellig, mittlerweile hat er sich jedoch vollständig isoliert. Weil dieser Teil der Story sich eher für einen Lars von Trier-Film eignen würde, bleibt es natürlich nicht dabei. Das Auftauchen einer neckischen Schmuckdiebin (Anne Hathaway) und Gerüchte um eine geheime Untergrund-Armee machen, dass sich Wayne trotz maroder Kniescheiben wieder in seinen Hardplastikoverall zwängt. 

The Dark Knight Rises ist nicht unbedingt der beste Batman-Film. Viel zu lange dauert es, bis aus der Gotham City-Stadtverordnetenversammlung endlich eine halbwegs spannende Handlung entsteht. Dazu kommt, dass der aktuelle Antagonist Bane (Tom Hardy) in etwa die Ausstrahlung eines sowjetischen Hinterhofringers besitzt und seine deutsche Synchronstimme so klingt, als würde ein Betrunkener Harry Potter-Romane vorlesen. Nichts mehr von der euphorischen Zerstörungswut eines Jokers oder der Undurchschaubarkeit von Two-Face.

Herzerwärmend ist dafür das gezeigte Menschenbild. So lange es sich nicht um Waisenkinder handelt, treten die Einwohner Gothams als pöbelnder, selbstgerechter Mob in Erscheinung. Die durch Bane inszenierte Revolution erinnert dementsprechend schnell an die Jakobinerherrschaft. Einzig die Ordnungsmacht der vorrevolutionären Zeit stellt sich, gegen Ende, dem Treiben in den Weg: selten waren Polizisten, die Bürger niederknüppeln, so positiv belegt wie hier. Dennoch besteht kein Grund zur Sorge, die Botschaft des Films wäre gegen individuelle Selbstbestimmung: blinder Gehorsam wird genauso abgelehnt wie radikaler Aktionismus.

Gesehen: Prometheus

Eigentlich Alien-Prequel, aber mit eigener Geschichte. Eine Gruppe Forscher macht sich mit einem Raumschiff auf den Weg, die Schöpfer der Menschheit zu finden. Statt alte Männer mit Bärten, guten Krokodilen und was sich sonst nach als Mythos durchsetzen konnte, finden sie einen kargen, ausgestorbenen Planeten vor. Nur einige 2000 Jahre alte Überreste von Körpern in einem Tunnelsystem verweisen darauf, dass das nicht immer der Fall war. Natürlich werfen die Funde die Frage auf, woran die Bewohner des Planeten so spontan ausgestorben sind. Und auch: was hatten sie mit den Menschen vor. Die Antwort auf die erste Frage ahnt man nach diversen Alien-Filmen bald mindestens vage. 

Prometheus hat mich ratlos gemacht und das nicht im philosophischen Sinne. Auf Erzählebene erschien das Ganze schlampig durchdacht. Zum Beispiel wird gezeigt, wie Leben auf der Erde entstand, weil sich ein extraterrestrisches Wesen im Wasser auflöste und so seine DNA verteilte. Die DNA der Funde auf dem fremden Planeten weißt eine Übereinstimmung mit der menschlichen DNA auf. Aber wenn alles Leben von dieser einer Lebensform ausgeht, müsste eigentlich alles, von der Sumpfkröte bis zum Einhorn, dieselbe DNA haben. Macht für die Handlung keinen großen Unterschied, mich persönlich lenken solche Kanten aber schnell Mal vom eigentlich Verlauf ab. Generell entsteht der Eindruck, dass die Produzenten nach 90 Filmminuten festgestellt haben, dass die Dynamik möglicherweise nicht den gängigen Sehgewohnheiten eines Science Fiction-Fans entspricht: paar Raumschiffe zusätzlich zu Schutt, so für die Quote, bot sich da als Lösung natürlich an.

Zum Ausgleich bezaubert Prometheus auf visueller Ebene. Teilweise wieder im Giger-Style, der nicht nur das Äußere des Aliens erfunden hat, sondern schon immer die etwas coolere Alternative zu Luis Royo-Plakaten in Zimmern heranwachsender Gruftis war. Industrial für die Augen, quasi.  Dazu dann noch Michael Fassbender, der als Androide mit HAL-Mentalität nicht ganz so anziehend ist, wie als Sexsüchtiger in Shame. Gereicht hat es aber trotzdem. Unterm Strich ist Prometheus einer dieser Filme, die zwar stellenweise den Intellekt beleidigen, aber immerhin dem Auge schmeicheln.

Gesehen: Shame

Michael Fassbender als Brandon beziehungsweise als das, was er sonst auch ist: schön, erfolgreich, zusätzlich noch einsam. Symptom der Einsamkeit ist Brandons Sexsucht. Er schleppt Frauen ab, bestellt Prostituierte, sammelt Pornos, wichst auf der Firmentoilette, ist Stammkunde in Camsexportalen. Als seine Schwester auftaucht wird offensichtlich, wie unfähig zu jeder verbindlichen zwischenmenschlichen Beziehung Brandon eigentlich ist. 

Ich hatte im Kino gemischte Gefühle. Einerseits: es war mir zu uninspiriert, die alte Geschichte vom neuen Menschen, der unsozial und in seiner Freiheit verloren ist. Auch der Teil mit der übermäßigen Sexualität stieß mir etwas auf. Promiskuität wird in Filmen zu häufig als destruktiv oder albern gezeigt, siehe Californication oder bei Barney Stinson in How I met your mother. Nicht als ein sexueller Lebensstil neben anderen auch.

Andererseits wäre es auch bisschen viel Political Correctness, alles unkritisch stehen zu lassen. Mit dem Zusammenhang zwischen größerer Freiheit bei Lebensplanung und Partnerwahl und dem Unvermögen längerfristige Beziehungen zu entwickeln haben sich schon andere befasst, etwa Sven Hillenkamp in seinem Buch Das Ende der Liebe. Einige Menschen finden sich damit zu recht und sind zufrieden. Andere scheitern, so wie Brandon. Viele leben irgendwo dazwischen. Wie es vermutlich immer war. 

Als Lösung bietet Shame Ehe und Familie an. Für Brandon jedoch kein Ausweg und falls doch, kommt er zu spät. Alles andere wäre aber auch zu Disney-lastig. Trotz aller Ambivalenzen und bisschen zu viel Pathos um die Schwester hat mir Shame gefallen (Berührt wäre zwar treffender, klingt aber so, wie es eben klingt). Ich mochte, dass so wenig gesprochen wurde, weil sich über manches einfach nichts sagen lässt. In einigen Facetten habe ich mich wiedergefunden.

Außerdem ist Fassbender auch nackt ein schöner Mann.

Gesehen: Perfect Sense

Zufällig in der Sneak, sonst hätte mich vermutlich schon das bisschen sehr gewollte “There are men… there a women” abgeschreckt. Mir hat die Idee gefallen, dass die Welt untergeht, in dem alle Menschen ihre Sinne verlieren. Ich mochte nicht: die fünf öden Sexszenen und das Streichorchester im Hintergrund.