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Buchhändler als Beruf

Ziemlich regelmäßig tauchen Artikel auf, die den Wandel der Literaturbranche bedauern: die Leute lesen immer öfter Ebooks, kaufen Bücher nur noch über das Internet und in den verbliebenen Buchläden werden nur noch Richard David Precht und Duftkerzen angeboten. Aktuell findet sich eine entsprechende Reportage bei der Frankfurter Rundschau. Ein Buchhändler, der lange Zeit bei Hugendubel angestellt war, erzählt, wie sich die Arbeitssituation in den Filialen der Kette verändert hat. Wie selbst dort Buchhändler einst ihren eigenen Teil des Sortiments mit etwas Freiraum betreuen durften und heute nur noch Regale einräumen und kassieren. Dabei war der Buchhändler doch eigentlich immer mehr als nur ein Verkäufer. Er hat Kultur und Schriftgut vermittelt, versucht, spezielle Kundenwünsche zu erfüllen, Bücher vorgestellt, die der potentielle Leser sonst übersehen hätte (Das es sich bei Buchhändlern genauso gut und oft um kauzige Misanthropen und gelangweilte Verwalter handeln kann, lassen wir außen vor.).

Ich möchte nicht, dass diese Auslegung des Buchhändlerberufes verloren geht. Genauso wenig wie ich auf die kleinen Universitäts- und Autorenbuchhandlungen verzichten möchte. Aber machen wir uns nichts vor: ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Buchhändler um Rat gefragt zu haben. Außer, wenn es darum ging, ein bestimmtes Buch im Regal zu finden oder ein fehlendes Exemplar nachzubestellen. In wiefern durch Buchhändler organisierte Auswahl und Anordnung der Bücher meine Kaufentscheidungen beeinflussten, kann ich nur mutmaßen. Ich habe nie im Laden gestanden und gedacht “Jetzt ein zeitgenössischer Roman. Nur welcher?”, sondern eher “Bei mir zu Hause liegen 245 Bücher, die ich auch noch lesen will.”. Neue Bücher entdecke ich vor allem auf drei Arten: ganz klassisch, als Empfehlung von Menschen aus meinem Umfeld. Meine Mutter gab mir Strittmatter-Romane, als ich 13 war und über meinen Ex-Mitbewohner lernte ich Kerouac kennen. Als Verweis in einem anderen Buch: nach dem ich Die Kameliendame gelesen habe, nahm ich mir auch Manon Lescaut vor. Über Das andere Geschlecht fand ich Colette. Dann sind da natürlich noch soziale Netzwerke wie Goodreads und Amazon mit seiner großzügig ausgelegten Suchfunktion. Wenn ich in einen Buchladen gehe, weiß ich üblicherweise bereits, was ich möchte. Falls nicht, stöbere ich eher im Internet, weil es dort spontaner geht.

Es ist widersprüchlich, wenn ich Buchhändler möchte und gleichzeitig kaum was dafür tue, dass es sie geben kann. Genauso inkonsequent ist es, den Erhalt von Autorenbuchhandlungen zu fordern und überwiegend bei Amazon zu bestellen. Und wer tut das nicht? Vielleicht sollte man Nostalgie und den bildungsbürgerlichen Distinktionswunsch ignorieren und sich damit abfinden, dass man zwar vermutlich auch langfristig Texte käuflich erwerben können wird, dass sich aber das “Wie” ändert. Dass es vielleicht irgendwann keine Buchhändler mit Empfehlungszetteln mehr gibt, aber immer noch genug andere Wege, auf neue (und gute) Literatur aufmerksam zu werden. Der FR-Artikel bietet allerdings eine andere Lösung an: weg von Hugendubel und Thalia, hin zu Konzeptläden.