
The Great Gatsby ist eines der Bücher, die man gelesen haben muss, die niemanden unberührt lassen. Gilt leider nicht für mich. Alle paar Jahre lese ich die ersten paar Seiten, mal auf Deutsch, mal auf Englisch und verliere dann die Lust. Das ist ein bisschen schade, weil der Klappentext mir grundsätzlich schon zusagt, aber es gibt eben Dinge, die möglicherweise gut sind und mit denen ich trotzdem nicht warm werde. Zum Beispiel David Lynch-Filme und Starkbier. Und eben Fitzgeralds Romanvorlage.
Dagegen habe ich alle Baz Luhrmann-Filme gesehen. Sogar die mit Nicole Kidman, obwohl ich sie vielleicht sogar noch gruseliger finde, als ihren Exmann. Für mich sind die Filme von Luhrmann so, wie 1kg Gummibärchen: bunt und süß bis zum Erbrechen. Und trotzdem kann man nicht aufhören, bis nichts mehr übrig und der Film zu Ende ist. Luhrmann mischt Shakespeare mit Hawaii-Hemden und Fine de Siècle mit Madonna und klar, einerseits weiß ich, dass nicht Mal er es darf, aber er macht es eben und ich finde es gut.
Der The Great Gatsby-Film entspricht ganz dieser Tradition und trotzdem bin ich ein wenig enttäuscht. Wenn The Great Gatsby einem anderen Luhrmann-Film gleicht, dann Moulin Rouge und das leider zu sehr. In The Great Gatsby ist der stille Beobachter und nicht ganz so stille Erzähler Nick Carraway dank Toby Maguires Kindergesicht ungefähr so trollig wie die Künstlertruppe in Moulin Rouge. Immer wieder gibt es Bilder und Kamerafahrten, die einem so bekannt vorkommen, dass man nicht genau weiß, ob es jetzt eine Hommage von Luhrmann an Luhrmann sein soll, oder ob es schlicht Einfallslosigkeit ist, etwa wenn quer durch die Stadt in ein Fenster/von einem Fenster weg gezoomt wird.
Rein narrativ ist die Story vermutlich nah am Roman dran: Erzähler Carraway bezieht ein Häuschen auf Long Island und trifft dort auf seinen pervers reichen Nachbarn Jay Gatsby. Um Gatsbys Existenz gibt es genauso viele Gerüchte wie zur Frage, woher sein Vermögen stammt. Als Carraway Gatsby besser kennenlernt, wird ihm klar, dass es eigentlich nur um eines geht: Carraways Cousine Daisy, reich, verheiratet, von der gegenüberliegenden Seite der Bucht, stand Gatsby einst näher. Weltkrieg und damals vorhandene Klassenunterschiede trieben beide auseinander, dennoch konnte Gatsby sie nicht vergessen.
Wie bereits erwähnt, kenne ich den Roman nicht. Falls Gatsby darin schmierig, Daisy narzisstisch und Carraway geringfügig einfältig dargestellt werden, ist die Umsetzung authentisch. Wirklich Sympathieträger ist im Film jedenfalls niemand, was das Liebesunglück rund um Gatsby, Daisy und allen weiteren Beteiligten etwas schwer mitfühlbar werden lässt. Vielleicht beruht meine Wahrnehmung aber auch nur auf die zunehmende Abneigung gegen Leonarde DiCaprio, der für mich mittlerweile denselben Charme hat, wie die Baldwin-Brüder vor 30 Rock.
Natürlich ist aber auch nicht alles enttäuschend, denn was Lana Del Rey im Soundtrack hat, kann einfach kein schlechter Film sein. An Luhrmann schätze ich schließlich auch die Bereitschaft zum großzügigen Einsatz von Konfetti und davon gibt es genug. Es wird wieder gesungen, gefeiert und getanzt, man trägt Gold und Pailletten, tobt durch die Stadt und betritt Pools grundsätzlich nur vollbekleidet. Trotzdem ist das Staunen darüber nicht mehr ganz so groß, wie bei früheren Filmen Luhrmanns, als alles noch neuer und daher überwältigender erschien.






