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Tiere töten

Eine meiner liebsten Hypothesen zum Thema Vegetarismus ist “Würde jeder selber schlachten müssen, würden die Leute viel weniger Fleisch essen.”. Bin mir nicht ganz sicher, ob diese Aussage für oder gegen Vegetarismus spricht. Verwendet wird sie vermutlich sowieso von beiden Seiten. Obwohl sie einigermaßen falsch ist: Würde jeder selber schlachten müssen, wären alle einfach weniger mitfühlend. Vegetarismus in weiter Verbreitung ist in Mitteleuropa ein relativ junges Phänomen. Die Abwesenheit bewaffneter Konflikte übrigens auch.

Ähnlich zweifelhaft finde ich es, wenn Menschen beim Schlachten zusehen oder helfen, um sich zu bestätigen, dass sie Fleischkonsum mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Wer als Außenstehender beim Schlachten zusieht, tut es selten in einem der industriellen Großbetriebe, aus denen das meiste Fleisch kommt (Menschen, die grundsätzlich nur “ab Hof” kaufen: nie ein Döner, nachts aus dem Heimweg? Kein Kantinenessen? Nie in Restaurants, die nicht ganz klar ihre Lieferanten angeben?). Und vermutlich auch kaum beim Töten. Alles was danach kommt, wie ausbluten lassen und zerlegen, ist aber im Endeffekt auch nicht anders als das, was an der Wursttheke so passiert.

Als Kind und Heranwachsende habe ich ziemlich oft beim Schlachten geholfen. Die Nachbarsfamilie und meine Familie hielten sich zusammen zwei bis drei Schafe. Sie wurden als Lämmer gekauft, ersetzten über das Jahr den Rasenmäher und wurden am Ende zu Kotelett und Keule. Für mich war der Ablauf unproblematisch. Ich hatte kein Mitleid mit den Tieren, ekelte mich weder vor Blut, noch vor Innereien und hatte auch nichts dagegen, am Abend Fleisch von dem Tier zu essen, das am Morgen noch auf der Wiese gestanden hatte.

Die Trennung zwischen Tier und Nahrung findet schon lange vor dem Schlachten statt. Es ist nicht gerade so, dass wahllos alle Tierarten gegessen werden. Zu Tieren, die gegessen werden, baut man keine Bindung auf. Selbst wer auf dem Land aufwächst und ein breites Angebot an Haus- und Nutztieren vor der Tür hat, behandelt Katzen und Hunde anders als Rinder und Schweine (Einzige Ausnahme bilden oft Kaninchen). Unabhängig ihrer eigentlichen kognitiven Fähigkeiten erscheinen uns auch fremde Hunde und Katzen als individuell und fühlend. Von Schweinen und Kühen wissen wir dagegen meist wenig. Mit ihnen verbringen wir keine Zeit, sie leben in Ställen und bleiben abstrakt. Wenn sie nicht als empfindend gedacht werden, fällt es weniger schwer, sie zu töten und zu essen. Was nicht heißen soll, dass es richtig ist. 

02:38 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Doch der Mensch kämpft nun einmal für seine Bequemlichkeit wo er kann - der kalten, anstrengenden, bisweilen grausamen Natur setzt er die Kultur der Zentralheizung, der geglätteten Straßen, der Telefone und Rettungswagen entgegen. Es ist sonderbar, wenn er sich ausgerechnet in dem Moment auf die “Natur” zurückbesinnt, wo es wiederum der eigenen Bequemlichkeit dient - nämlich der Verteidigung des gewohnten Genusses des Fleischessens.
Hilal Sezgin im nicht durchgehen pro-vegetarischem bpb-Heft Mensch und Tier. Das man übrigens auch komplett kostenlos als PDF runterladen oder bestellen kann.

04:01 pm, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Animal Studies Move From the Lab to the Lecture Hall - NYTimes.com

New York Times über Animal Studies als Trend an amerikanischen Hochschulen: Das Mensch-Tier-Verhältnis als Gegenstand interdisziplinärer Lehre und Forschung. Wobei “interdisziplinär” am Ende vermutlich doch nur wieder vor allem für “geistes- und sozialwissenschaftlich” steht. Für Philosophie trotzdem interessant, da Tiere zwar bei Kant über Schopenhauer bis Adorno vorkommen, als Thema in Hochschulveranstaltungen aber eher ausgeblendet oder trivial dargestellt werden.

03:37 am, BY wgirl[17 Anmerkungen]

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SPIEGEL ONLINE: Wilde Tiere in der Manege: Schluss mit dem Zirkus!

Der Grundsatz “Anschauen, nicht anfassen”, den Eltern ihren Kindern bei anderer Gelegenheit so gerne beibringen, wird gerade im Verhältnis zwischen Zirkus und Natur grob verletzt.

09:13 pm, BY wgirl[2 Anmerkungen]

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Vor der Fußball-EM 2012 in der Ukraine: Ich sehe tote Hunde - taz.de

Taz über Straßenhunde in der Ukraine, die im Rahmen der EM-Vorbereitungen auf inhumanem Weg beseitigt werden.

08:47 am, BY wgirl[3 Anmerkungen]

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Das System Wiesenhof

… lief gestern im Fernsehen und ist ab heute in der ARD Mediathek zu sehen. Neben den bekannten Bildern zu Massentierhaltung und -schlachtung wird auch die Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung eines Unternehmens und seiner Wirklichkeit gezeigt. Wiesenhof hatte vorher per Programmbeschwerde versucht, die Ausstrahlung zu verhindern.

02:41 pm, BY wgirl[2 Anmerkungen]

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Gesehen: Rise of the Planet of the Apes

Rise of the Planet of the Apes ist ein Film darüber, dass Affen auch irgendwie scheiße sind. Aber von vorne: Will Rodman (James Franco) forscht als Wissenschaftler nach einem Mittel gegen Alzheimer. Da sein eigener Vater von der Krankheit betroffen ist, ist seine Motivation entsprechend groß. Als Medikamente an Affen getestet werden, steigt deren Intelligenz an. Soweit, dass eine Schimpansin es schafft, die Wärter zu überlisten und auszubrechen. Sie wird erschossen, in ihrem Käfig findet sich ein neugeborenes Junges. Damit es nicht eingeschläfert wird, nimmt Rodman es mit nach Hause. Er nennt den Kleinen Caesar und zieht ihn fast wie ein Kind auf. Schon früh zeigt sich, dass Caesars Mutter die überdurchschnittliche Intelligenz auf ihn übertragen hat. Der Affe schafft Dinge, die gleichaltrige Kinder überfordern würden und spielt schließlich Schach. Trotzdem verfügt er auch über Verhaltensweisen, die Schimpansen eigen sind. Als Rodmans hilfsbedürftiger Vater von einem Nachbarn bedroht wird, reagiert Caesar aggressiv und fällt den Nachbarn an. Als Konsequenz darauf, muss Rodman ihn in ein privates Affentierheim (Geht bestimmt auch mit Magister!) geben. Die Affen dort sind die meiste Zeit in enge Käfige gesperrt und werden vom Sohn des Heimleiters misshandelt. Caesar beschließt seine Mitaffen zu befreien. Weil die Affen aber zu dumm für seine Pläne sind, bleibt ihm nichts anderes übrig, als bei Rodman Medikamentenproben zu stehlen, um die Anderen auf sein Level zu bringen.

Auf den ersten Blick ist Rise of the Planet of the Apes der Tierrechtsfilm schlechthin. Nicht nur, weil die Affen sich selbst befreien, auch weil aus ihrer Perspektive erzählt wird. Vor allem Caeser menschelt so sehr, dass er Zuschauern als Identifikationsfigur dient. Genau da wird es aber auch kritisch, aus zwei Gründen: Rise of the Planet of the Apes ist kein Tierbefreiungsfilm. Die Affen können sich erst selbst helfen, wenn sie menschlich werden. Bei den anderen Planet der Affen-Filmen ist klar, dass eigentlich nur eine Sorte Mensch durch eine andere ausgetauscht wird. Bisschen wie die Schweine in Animal Farm. Es ist weder zurück zur Natur noch gegen Speziesismus: die Affen werden zivilisiert und alle andere Tierarten ihnen untergeordnet. Der andere Grund hat etwas mit Mitleidsethik zu tun. An dem Konzept Mitleidsethik wird häufig kritisiert, dass Mitleid umso stärker empfunden wird, je ähnlicher ein Lebewesen uns ist (Wer hierzu mehr möchte: der Aufsatz “Biologische Grundlagen zum ethischen Tierschutz” von Hanno Würbel). Affenbabys sind schon irgendwie besser als Vogelspinnen und Caesar sympathischer als seine Kollegen, die kreischend an Gitterstäben rütteln. Vor allem bei Caesar fühlt man mit, wenn er aus seinem sozialen Umfeld herausgerissen und weggesperrt wird. Dabei ist fehlender Freiraum (hier mal im weitläufigen Sinne) wohl für jedes halbwegs bewusste Lebewesen unangenehm, unabhängig davon ob es Schachspielen kann oder nicht.

Ansonsten ist Rise of the Planet of the Apes schon gutes Hollywoodkino. Außerdem sind alle Affen computeranimiert, was ethisch natürlich korrekt ist.

05:43 pm, BY wgirl[2 Anmerkungen]

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DasErste.de - Weltspiegel - Indonesien (17.07.2011)

ARD-Weltspiegel Reportage inklusive Video über Reptilienjagd in Indonesien. Damit das Leder möglichst hochwertig ist, werden Warane und Schlangen am besten lebend gehäutet. Ist einigermaßen unappetitlich, wer den Kauf einer Schlangenledertasche beabsichtigt (Und wer tut das nicht?) überlegt es vielleicht zwei Mal.

10:25 pm, BY wgirl[18 Anmerkungen]

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Neues Tierschutzlabel "Tierwohl": Strenger als Bio, bekannter als Neuland - taz.de

Taz über Tierwohl, ein Label des Deutschen Tierschutzbundes, dass tierfreundlich produziertes Fleisch kennzeichnen soll. Bin selbst ambivalent, was das angeht: einerseits kann es zumindest zu kleineren Verbesserungen bei Tierhaltung und Schlachtung führen. Ein komplettes Umdenken hin zu Fleischverzicht und Veganismus ist einfach utopisch, zumindest für den größeren Teil der Bevölkerung.

Sonst sehe ich es wie Peta: ein Tierschutz-Label für Fleisch ist ein Freifahrtschein. Beruhigt das Verbrauchergewissen, macht, dass Fleischproduzenten darauf verweisen können, zu den Guten zu gehören. Es hinterlässt den Eindruck, dass in den entsprechenden Betrieben alles artgerecht abläuft, aber was ist für Nutztiere schon artgerecht? Die Vorgaben für das Label sind doch nur ein Kompromiss zwischen dem, was Tieren gut tut und dem, was Fleischproduzenten bereit sind nachzugeben, ohne sich selbst zu schaden. Dazu kommt, dass die Einhaltung von Labelkriterien nicht so kontrolliert werden kann, wie es eigentlich der Fall sein müsste. Kontrolleure sind keine 24 Stunden vor Ort, dass Missstände entdeckt werden, ist oft einfach Zufall.

11:52 am, BY wgirl[5 Anmerkungen]

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To put the matter another way, most of the suffering that we impose on animals is completely unnecessary, and we are not substantially different from Simon, who proposes to blow-torch the dog for pleasure. For example, the uses of animals for sport hunting and entertainment purposes cannot, by definition, be considered necessary. Nevertheless, these activities are protected by laws that supposedly prohibit the infliction of unnecessary suffering on animals. It is certainly not necessary for us to wear fur coats, or to use animals to test duplicative household products, or to have yet another brand of lipstick or aftershave lotion.
More important in terms of numbers of animals used, however, is the animal agriculture industry, in which billions of animals are killed for food annually. It is not necessary in any sense to eat meat or animal products […].
Gary Francione, Philosoph, zur willkürlichen Einteilung zwischen scheinbarer Notwendigkeit und Tierquälerei.

12:51 am, BY wgirl[6 Anmerkungen]