wondergirl

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Vorfreude auf Hemlock Grove. Zu Weihnachten wünsche ich mir Netflix.

Gesehen: Girls

Manchmal sitze ich mit Freundin N. zusammen und wir denken an all die Geschichten zurück, die wir bereits miteinander erlebt haben. Und dann hoffe ich, dass sich niemand sonst mehr daran erinnern wird, wenn ich als Philosophin zu Anerkennung und Erfolg gekommen bin. Weil das Meiste, an das wir gerne zurück denken, eher zu Charlie Sheen passen würde. Manchmal habe ich mich in solchen Situationen gefragt, warum da eigentlich noch niemand so wirklich drauf gekommen ist: eine Buddy-Komödie mit Mädchen. Okay, es gibt Sex and the City und Bridesmaids, aber darin geht es immer eher um Frauen, die schon einen etwas gefestigteren Background haben und daher in manche Situationen gar nicht erst geraten. Mit irgendwaszwanzig dagegen ist man auf vielen Gebieten noch unheimlich blöd. Oft macht das Spass. Zumindest im Nachhinein.

Lena Dunham ging es vielleicht ähnlich. Allerdings war sie motivierter als ich und machte aus der Frage, wie es so ist, wenn das Studium durch ist, aber klare Vorstellungen zum Thema Zukunft fehlen, die Serie Girls. Ich mag Girls. Zumindest die 5 Folgen, die ich bisher gesehen habe. Girls handelt von vier New Yorker Freundinnen und Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda kommen nur als Poster an der Wand vor. Eine ist Studentin, die Anderen schlagen sich mit Praktikas, Babysitting-Jobs oder der ersten Festanstellung rum. Die Wohnung ist eine WG, die Eltern wollen nicht mehr zahlen und die Männer benehmen sich auch komisch, entweder ermüdend korrekt oder genau im Gegenteil, unreif und unnahbar. Das ist eigentlich schon der ganze Plot.

Natürlich ist das ganze nicht so trocken wie von mir runtergeschrieben. Girls funktioniert oft auf zwei Ebenen: Fremdscham und Wiedererkennen. Also nicht das ich alles selbst genauso gemacht habe, aber Vieles erscheint nicht unbekannt: sich dramatisch den Kopf über jemanden zerbrechen, der sich bestenfalls halb für einen interessiert. Ausgefallener Sex, der eher schräg als erotisch ist. Soziale Inkompetenz, privat und auf beruflicher Ebene, etwa wenn die Hauptfigur Hannah während eines Vorstellungsgespräches Vergewaltigungswitze macht. Soweit bin ich zwar bisher nie gegangen, trotzdem konnte ich mir manche Folgen nur in 5-Minuten-Häppchen ansehen, so verstörend war es.

Gesehen: Downton Abbey

Downton Abbey liegt irgendwo zwischen Jane Austen-Roman und Mad Men. Erste Staffel der Serie beginnt mit dem Untergang der Titanic und endet mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Auf dem Anwesen Downton Abbey sorgen sich Earl und Countess of Grantham um die Erbfolge: Titel, Grundbesitz und Vermögen gehen an den nächsten männlichen Verwandten. Sie aber haben nur drei Töchter. So bleibt nur Cousin Matthew, ein bürgerlicher Anwalt, mit wenig Lust auf ein entschleunigtes Leben als Gentleman. Trotzdem lassen er und seine Mutter sich in die Gesellschaft auf und um Downton einführen.

Die adelige Familie steht nicht alleine im Mittelpunkt. Den Sorgen und Intrigen ihrer Bediensteten wird ebenso viel Raum gegeben. In einer Zeit mit Arbeiterbewegung und Suffragetten werden herkömmliche Verhaltensweisen und Hierarchien nicht mehr ganz unhinterfragt übernommen. Das gilt für die Angestellten genauso wie für die Töchter im heiratsfähigen Alter. Gleichzeitig geht es nicht um öde Sozialkritik. Statt Klassenkampf wird eine gegenseitige Abhängigkeit gezeigt. Zumindest als Ideologie war so etwas in Großbritannien lange Zeit und schichtübergreifend verbreitet.

Laut Wikipedia ist Downton Abbey die englischsprachige Fernsehserie mit der positivsten Resonanz. Wikipedia hat selbstverständlich immer recht, so auch hier. Derzeit leide ich sehr darunter, dass es nirgendwo die zweite Staffel mit Untertiteln gibt. Allein zum Hören sind mir die Originaldialoge zu komplex. Downton Abbey mochte ich so, wie ich Austen-Romane mag: eine Welt, in der Kommunikation die Handlungen ersetzt. In der deshalb viel kommuniziert und sehr genau auf Zwischentöne gehört wird. Anspruch entsteht dardurch, dass ich als Zuschauer einzelne Zeichen finden und entschlüsseln kann. Ansonsten gibt es da noch Setting und Detailverliebtheit. Muss man aber bei einem Kostümfilm kaum extra erwähnen.

Gesehen: American Horror Story

Hat sich bestimmt ein Freudianer ausgedacht: Familie Harmon ist nicht frei von Spannungen. Die Ehe der Eltern, Vivien und Ben, steht kurz vor dem Aus, nachdem sie eine Fehlgeburt und er einen Seitensprung hatte. Tochter Violet reagiert auf den Konflikt der Eltern mit pubertätstypischer Reserviertheit. Der beste Moment um in ein Haus zu ziehen, in dessen Keller unergründliche, dunkle Mächte (und ein spitzzähniges Monster) am Werk sind und unter dessen Dach ein herrenloser Gummifetischanzug hängt. Soweit so subtil.

Das Haus alleine ist nicht unheimlich genug, hat es doch auch schöne Tiffanyscheiben. Zusätzlich tauchen immer wieder seltsame Menschen auf: ein Mann mit verbranntem Gesicht, der Geld fordert. Ein Hausmädchen, dass Ben in junger Form und Vivien als ältere Dame erscheint. Nachbarin Constance, als Schönheit gealtert und als Schauspielerin gescheitert, die auch Mal das Silberbesteck mitnimmt. Tate, ein Heranwachsender mit Gewaltphantasien, der Hilfe bei Ben als Psychiater sucht. Im Laufe der Folgen zeigt sich, wie die Vergangenheit der Vier mit der des Hauses verflochten ist. 

Bin immer noch ein wenig unentschlossen, wie ich American Horror Story fand. Mit den Figuren wurde ich nicht recht warm: ritzende Teenager, Schwule mit Dekofimmel und fremdgehende Ehemänner sind trivial. Alle sehen gut aus und wenn nicht, dann sind sie behindert oder durch Selbstverbrennung entstellt. Das zentrale Problem, welches verhindert, dass Familie Harmon einfach ihre Sachen packt und das Haus verlässt, ist die mögliche Scheidung der Eltern: wer geht wohin, wer bleibt. Auch nicht so spannend und in seiner Naivität eigentlich auch sehr Klischee, was Horror-Filme angeht. Einfach eine andere Form von “Da draußen im Dunkeln läuft ein Axtmörder rum, mein Handy hat auch keinen Empfang, besser, ich schau Mal nach.”.

Dagegen mochte ich die unterschiedlichen Geschichten, darüber, was die Einzelnen mit dem Haus verbindet. Immer wieder gibt es Rückblenden, die zeigen, wer das Haus in der Vergangenheit bewohnte. Die Serie lässt sich Zeit damit, die unterschiedlichen Episoden miteinander zu verknüpfen. Wie ein Puzzle, dessen Motiv erst kurz vor Schluss sichtbar wird. Nur besteht die Lösung nicht alleine darin, dass Gesamtbild zu erkennen.

Zum Ansehen: ZDF log in mit einer ungewohnt entspannten Diskussion zum Thema Fleisch (oder doch eher nicht). Ich mag es, wie Björn Moschinski argumentiert, ohne übermäßig emotional zu werden oder zu relativieren, um zu gefallen.

Nicht gesehen

Mal paar Serienhighlights, die mein ästhetisches Feingefühl kränkten:

New Girl: wäre schöner gewesen, hätte bei Minute 10 ein Sondereinsatzkommando die WG gestürmt und Zooey Deschanel erschossen. Niedlich ist leider überhaupt nicht mein Ding und so gehöre ich zu den geschätzten 5% aller postadoleszenten Menschen, die sich Disneyfilmen verweigern. Alles was gleichzeitig glotzäugig ist, plärrt und fiepst ruft bei mir allergische Reaktionen hervor. 

Glee: Mein dunkelstes Geheimnis hat nichts mit nächtlichen Parkanlagen zu tun: ich bin verhältnismäßig Textsicher, was Cabaret und The Rocky Horror Show angeht (Mag aber bisher kein einziges Musical, das nach 1980 entstanden ist!). Daher ist eine Sing-und-Tanz-Serie nicht gleich aufgrund des Konzeptes zum Scheitern verurteilt. Bei Glee liegt es auch nicht unbedingt an Musik und Performance, sondern an den selten drögen Figuren.

United States of Tara: HausfrauSchrägstrichMutter mit dissoziativer Identitätsstörung, die sich regelmäßig in Teenager und Fernfahrer verwandelt. Klingt wie von einer Seminargruppe Poststrukturalismus zum Feierabendbier ausgedacht und hat auch ungefähr den entsprechenden Unterhaltungswert.

Two and a Half Men: zwischen vierter und fünfter Staffel kommt irgendwann die Erkenntnis, dass nicht mehr viel passieren wird: Charlie ist ständig betrunken, Alan peinlich und das dicke Kind ein dickes Kind. 

Gesehen: Come Fly with Me

Come Fly with Me ist eine Mockumentary der Little Britain-Jungs David Williams und Matt Lucas. In Deutschland wurden die sechs Folgen bereits im Sommer ausgestrahlt und gingen komplett an mir vorbei. Inhalt ist der Alltag eines britischen Großflughafens. Dort gibt es unter Anderem Schulabbrecher Tommy, der Pilot werden will und deswegen erstmal als Burgerbräter an der Flughafenfiliale einer Fastfoodkette anfängt. Es gibt die Pauschalreisenden Peter und Judith, die sich in jeder Folge aufs Neue über einen Urlaub in der Hölle beschweren und die zickigen Check-in-Damen Melody und Keeley. Wie in Little Britain auch, werden sämtliche Rollen von Lucas und Williams selbst gespielt.

Mit Little Britain habe ich mich am Anfang schwer getan: Monty Python finde ich nicht sonderlich lustig und das ist doch der ständige Vergleich. Irgendwann wurde aber aus “Naja” ein “WTF” und dann kannte ich alle Staffeln. Ich schätze, Little Britain macht mir deshalb Spass, weil ich mich mit den Figuren identifizieren kann. Nicht auf die schöne Art und auch ohne Vorbildfunktion. Es sind eher die fiesen und peinlichen Seiten, die ich wiederfinde. Die, die ich eher verstecke. Oder es zumindest versuche: Das Keiner-soll-mich-verstehen von Daffyd Thomas. Die Fuck you-Attitude von Vicky Pollard. Die pure Boshaftigkeit der Marjorie Dawes. Come Fly with Me funktioniert da ähnlich: Die Figuren sind scheinheilig und faul, eitel und haben Vorurteile. Alles so überzogen und bissig, dass man es kaum nicht lustig finden kann.

Das System Wiesenhof

… lief gestern im Fernsehen und ist ab heute in der ARD Mediathek zu sehen. Neben den bekannten Bildern zu Massentierhaltung und -schlachtung wird auch die Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung eines Unternehmens und seiner Wirklichkeit gezeigt. Wiesenhof hatte vorher per Programmbeschwerde versucht, die Ausstrahlung zu verhindern.

Gesehen: True Blood

Eigentlich wollte ich schon länger mal über True Blood schreiben. Aber dann war es mir immer ein bisschen zu peinlich, eine Vampirserie gut zu finden. Wobei gut finden hier auch stark untertrieben ist. Jedenfalls heftet trotz Buffy Vampiren immer der Verdacht an, dass es sich mit ihnen ähnlich verhält, wie mit Pferden. Also eine Art Jungsersatz. Freud weiß bestimmt wieso. Problem Nummer zwei ist die Tatsache, dass ich gar nicht so einfach in Worte fassen kann, warum ich True Blood zumindest soweit schätze, dass ich mir bereits 4 Monate vor Beginn einer neuen Staffel die Nägel abkaue. Es sind etwa 567 Kleinigkeiten, die kaum miteinander in Verbindung stehen.

Also von Anfang an: True Blood spielt in einer fiktiven Kleinstadt in Louisiana. Durch die Erfindung eines synthetischen Ersatzblutes sind Vampire (Haha, der Satz klingt so absurd, dass ich es sogar beim Schreiben merke) mittlerweile in der Lage, zu überleben ohne Menschen beissen zu müssen. Jetzt kämpfen sie um soziale Akzeptanz und die Möglichkeit, ein friedliches Post-Leben führen zu können, ohne damit rechnen zu müssen, hinterrücks gepfählt zu werden. Das Ganze ist gar nicht so einfach, denn Vampire sind nicht einfach Vampire: klar gibt es einerseits den bürgerlichen Zweig, der Häuser kaufen und Restaurants besuchen will, ohne misstrauisch beäugt zu werden. Aber es gibt eben auch die Anderen, die sich in Vampirbars rumtreiben, mit Menschen nur anbändeln, um an deren Blut zu kommen und generell eher ein distanziertes Verhältnis zur begrenzten Welt der Sterblichen haben. Erinnert bisschen an das, was man in Soziologieseminaren zur Homosexuellenbewegung lernt: also nicht der Teil mit dem Blut trinken (höhö), aber eben angepasst vs. eigen. Der Vergleich wird übrigens nochmal dadurch betont, dass Vampire abwertend Fangs genannt werden und im Vorspann eine Gottesdienstanzeige mit “God hates Fangs” zu sehen ist. Subtil, hm?

Im Mittelpunkt der Handlung steht die meiste Zeit die Liebesbeziehung zwischen Sookie, Kellnerin und Bill, Vampir. Wie bei den meisten Romanzen im Soap-Format ist es ein ständiges Auf und Ab zwischen Vertrauen, Täuschung, gemeinsamen Plänen und deren Scheitern. Die beides Figuren sind verhältnismäßig trivial: sie blond und irgendwie niedlich, er düster-melancholisch hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Menschlichkeit und den Bedürfnissen, die ein Vampir halt so hat. Interessanter sind da schon die restlichen Hauptfiguren: Sookies beste Freundin Tara, die gleichzeitig aggressiv und labil ist und im Laufe der Staffeln immer wieder in unglückliche Beziehungen gerät: der eine Freund wird erschossen, der andere entpuppt sich als Psychopath. Taras Cousin Lafayette hat nicht nur den schönsten Lidschatten, sondern gerät auch aufgrund seines Handels mit Vampirblut (für Menschen ein kraftsteigerndes Rauschmittel) in eine Situation, die riskant genug ist, dass er sowohl Vampiren als auch deren Blut im weiteren Verlauf mit Misstrauen begegnet. Lafayette wiederum arbeitet hauptberuflich als Koch im Restaurant von Sam. Sam ist größtenteils harmlos, hat ständig Pech mit Frauen und läuft auch mal nackt durch den Wald, nachdem er sich in einen Hund und wieder zurück verwandelt hat. Auch Sookie ist bei ihm angestellt, ebenso Jessica, Bills zeitweiliges Mündel. Bei ihrer Verwandlung zum Vampir war sie 17 und benimmt sich entsprechend launig. Dargestellt wird sie von Deborah Ann Woll und ich bin seit dem ein bisschen Fangirl, aus recht oberflächlichen Gründen. Sookie hat zudem einen etwas tumben Bruder, Jason, der ebenfalls aufgrund seiner Frauengeschichten immer wieder in gefährliche Situationen gerät. Dann gibt es noch Eric Northman und seine Assistentin/Nachkommin Pam, zwei Vertreter der weniger bürgerlichen Vampire. Die Beiden leiten in der Nachbarstadt eine Vampirbar, deren Ambiente und Dresscode auffällig an einen SM-Club erinnert. Dazu kommen je nach Staffel noch andere, mehr oder weniger menschliche Wesen.

Pro Staffel gibt es immer ein großes Thema: in der ersten war es ein Serienmörder, in der zweiten eine gleichermaßen machtvolle wie bösartige Mänade (Frag Wikipedia!), in der dritten ging es um Naziwerwölfe (Naziwerwölfe!) und in der vierten zumindest bisher um Hexen. Vielleicht aber auch um Katzenmenschen. Aktuell ist das noch nicht ganz klar. Jedenfalls eine bunte Mischung aus Sagenfiguren und Popkultur. Mittlerweile wundert sich in der True Blood-Welt auch keiner mehr, wenn plötzlich noch jemand auftaucht, der sich in ein Pferd verwandeln kann oder eine Patin aus der Feenwelt hat. Jede neue Gattung bekommt auch gleich ihre eigene soziale Besonderheit mitgeliefert: die Katzenmenschen leben zurückgezogen als inzestuöser (Cat People von 1982 weiß, wieso) White-Trash-Clan im Wald. Der üblere Teil der Werwölfe ist eine Rockergang. Das Hexenthema wiederum ist eine Mischung aus Scheiterhaufengeschichte und New Age. Durch diese ganzen Nebenhandlungen und -stories bekommen die Figuren Form. Dass es nicht besonders originell ist, eine Verbindung zwischen Nazis und Werwölfen zu ziehen, liegt auf der Hand. Aber eben auch der Trash macht True Blood sehr unterhaltsam.

Weil Trash, sind Sex und Gewalt in der Serie elementar. Gewalt, in dem eigentlich ständig jemand gekidnapped, verprügelt, aufgespießt, gebissen, angeschossen, einbetoniert usw. wird. Sex wird locker gehandhabt. Ob hetero, homo oder bi spielt sowieso keine Rolle, nackt ist eigentlich auch in jeder Folge irgendwer. Darüber hinaus wird das Beissen der Vampire - wenn nicht als Waffe eingesetzt oder zur bloßen Nahrungsbeschaffung - erotisiert. Selbst zwischen Bill und Sookie, der eher drögen Konstellation, kommen die Zähne beim Akt zum Einsatz. Beissen und Blut trinken wird dann als ästhetisch, intim und sexy inszeniert. Pervers ist True Blood aber nicht allein in diesem Sinne. True Blood spielt auch mit Ekel und Exzess: wenn in der zweiten Staffel die Mänade einen Altar aus Früchten und rohem Fleisch aufbaut (der mehrere Tage in der Sonne steht), während die hypnotisierten Kleinstadtbewohner um sie herum übereinander herfallen. Wenn in Staffel drei Bill seiner “Macherin” beim Sex den Kopf auf den Rücken dreht. Oder wenn in der vierten Staffel (Spoiler!) Jason über mehrere Tage schwer verwundet an ein Bett gefesselt ist und schließlich von allen verwahrlosten Frauen des Cat People-Clans  nacheinander vergewaltigt wird (Spoilerende!).

True Blood befriedigt bei mir als Zuschauer unterschiedliche Interessen. Einerseits die Handlung: Intrigen und Verwicklungen, die im Laufe einer Staffel ans Licht kommen, Probleme, die gelöst werden müssen. Hat bei mir bisher immer sehr gut funktioniert: weder fand ich den Verlauf langweilig, noch vorhersehbar. Bei paar Jahrhunderten Vergangenheit einzelner Figuren und neu erscheinenden Lebensformen tauchen immer wieder Aspekte auf, die der Zuschauer vorher nicht kennt. Dann ist True Blood optisch sehr ansprechend. Einerseits die Darsteller, die überwiegend attraktiv, jedoch dabei nicht banal sind (Na gut, die Männer sind alle 1,90 m und mit Waschbrettbauch, aber es gibt nur eine Blondine!). Dazu auch das Setting, diese Südstaatensache, aber auch die etwas kinky Atmosphäre im Umfeld von Pam und Eric. Ich mag die Figuren, weil sie abwechslungsreich sind: vom queeren Lafayette über Sookie als fast Girl-next-door zum undurchschaubaren Eric Northman. Ich mag, dass True Blood so detailverliebt ist, mit all den unterschiedlichen Lebensformen und Querverweisen. Ich mag den Trash und die Momente, in denen man sich fragt, ob das da gerade wirklich passiert. Ich mag den Aspekt, der auf englischsprachigen Seiten schnell mal mit “so wrong” bezeichnet wird: der Moment, in dem “unanständig” Richtung “geschmacklos” verrutscht. Und ich mag, dass True Blood es meist dennoch schafft, irgendwie ästhetisch und sinnlich zu bleiben.